Im Forschungslabor
Ich hab’ eine Oper g’schrieben, da ist alles logisch d’rin», lässt Georg Kreisler den imaginären Komponisten seines «Opernboogies» mit dem schönen Titel «Der Ritter trifft die Ritterin unter einer Linde» behaupten. Die Frage, ob Kreislers an den Paradoxa der Oper rüttelnder Humor auch Mozart und Beethoven amüsiert hätte, erübrigt sich allein historisch.
Auf jeden Fall hat der «Titan» diesem Genre nur ausnahmsweise vertraut, wiewohl er über den «Fidelio» hinaus durchaus noch weitere Pläne im Kopf hatte, etwa einen «Macbeth», der dann gleichsam als Camouflage auf der virtuellen Bühne seines Klaviertrios op. 70,1 auftrat. Mozart hingegen hielt kein fauchendes Operntier im formalen Käfig einer Sonate gefangen, sondern ließ seine – nach Meinung des französischen Pianisten und Dirigenten Philippe Cassard stets «opernhaften» – Erfindungen im umfassenden Arbeitsprozess schwelgend strömen und einander befruchten, sich mal als Arie, mal als Kantate, mal als Konzert, Klaviersonate, Streichquartett, als Trio outen.
Mozart habe, so Cassard im Booklet seines Albums «Mozart à l’opéra», sein «Nicht-Opernwerk» peu à peu in ein «unerschöpfliches Forschungslabor» für jenes Genre verwandelt, in dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Gerhard Persché
Jedes Jahr im Dezember sind Wolfgang Amadeus Mozarts «Die Zauberflöte» und Engelbert Humperdincks «Hänsel und Gretel» die beliebtesten Werke überhaupt. Deshalb präsentieren wir eine Übersicht der Aufführungstage aller laufenden Inszenierungen dieser beiden Stücke im Dezember (im deutschsprachigen Raum) in Form eines liebevoll und nur für Sie gestalteten, quasi...
Der Mond über Judäa, er leuchtet nicht. Nicht mal ein Blinzeln ringt er sich ab. Aber wie auch? Das Reich des Herodes liegt in einer hässlichen Unterweltstadt, am Rand der Zivilisation. Der Tetrarch herrscht in diesem Sündenpfuhl wie sein mythischer Vorfahre Pluton, allerdings mit dem Unterschied, dass nicht die Totengeister um ihn herumkriechen, sondern skurril...
Fantasiestücke
Mit «Eugen Onegin» und «Pique Dame» erlangte er Weltruhm. Wesentlich weniger bekannt sind zwei Opern von Peter Tschaikowsky, die nun in Frankfurt und Düsseldorf in neuen Inszenierungen zu erleben sind und die gleiche poetische Wirksamkeit besitzen: «Die Zauberin» sowie «Die Jungfrau von Orléans». Wir lassen uns gerne inspirieren.
Filmästhetik
Mit...
