Ohne Rücksicht

Sind die Probleme der Vlaamse Opera hausgemacht?

Opernwelt - Logo

Es gibt in Antwerpen einen berühmten Tiergarten. Stellen wir uns vor, dieser Zoo sei in ­finanzielle Schwierigkeiten geraten und werde alles andere als effizient verwaltet. Man kommt zu dem Schluss, dass die Probleme nur von außen zu lösen seien. Der Minister für Zoologie setzt daraufhin ­einen so genannten «Veränderungsmanager» ein. Und der schlägt nach Sichtung der Unterlagen vor: Wenn wir die Elefanten, Giraffen, Löwen und Affen verkaufen, ist der Laden wirtschaftlich wieder flott zu machen.


So ungefähr lässt sich die Situation beschreiben, in die der flämische Kulturminister Bert Anciaux und ein von ihm berufener «Veränderungsmanager» die seit geraumer Zeit finanziell angeschlagene Vlaamse Opera in Antwerpen und Gent gebracht haben. Der Hintergrund: Während der letzten vier Jahre lief in dem Haus ein Defizit von mehr als zwei Millionen Euro auf. Nun sollen, so die Absicht des Ministers, das Orchester und der Chor aufgelöst werden. Konkret: Ein Teil der Musiker könne in die beiden anderen Orchester der Region, das Flämische Radio Orchester sowie das flämische Philharmonische Orchester, wechseln. Aus diesen Klangkörpern lasse sich dann die musikalische Versorgung für das Opernhaus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: kommentar, Seite 72
von Willem Bruls

Vergriffen
Weitere Beiträge
Story von heute?

Ohne Umschweife: In Sachen «Così fan tutte» liegt Dortmund derzeit klar vor Gelsenkirchen. Einmal mehr zeigt sich, dass modisch modernes Ambiente (Verena Hemmerleins Tennisplatz in Gelsenkirchen) keineswegs genügt, solange es insze­natorisch nicht gefüllt wird. Regisseur Andreas Baesler lässt den Chor in Ponnelle-­Manier über die Bühne wuseln (in Dortmund wird aus...

Sprachmusik

Samuel Becketts späten Texten kommt man vielleicht am nächsten, wenn man sie als absolute Musik versteht. Die Sprache und ihre Elemente – Laute, Silben, Wörter – sind hier so kombiniert, dass der performative Akt der Rezitation, dass Rhythmus, Melodie und Artikula­tion zum eigentlichen Medium der Sinnstiftung werden. Ob Dialog oder Prosastück – das letzte...

Verdi: Il trovatore

Die Rolle ist der Traum jedes Tenors und der Alptraum jedes Intendanten: Vermutlich gibt es derzeit selbst in der A-Klasse der Tenöre keinen Manrico, der aus dem diskografischen Schatten Franco Corellis oder des jungen Domingo heraustreten könnte. Auch für Zoran Todorovich, der sein Repertoire und seine Stimme in den letzten Jahren durch Rollen wie Pollione und Don...