Pilgerschaft der Kunst
«Glücksland» Bhutan in der Jahrhunderthalle – für die, die es erleben durften, der spirituelle Höhe- und Endpunkt des diesjährigen Festivals.
Brücke zum Nirwana – Wagners «Tristan und Isolde»
Wie 2009 mit Schönbergs «Moses und Aron» und 2010 mit der Uraufführung von «Leila und Madschnun» (einer aktualisierten, leider gescheiterten Musiktheaterfassung des altpersischen Epos durch Albert Ostermaier und Samir Odeh-Tamimi) inszenierte Willy Decker auch diesmal die Eröffnungspremiere in der Bochumer Jahrhunderthalle selbst.
Nach der exemplarischen Auseinandersetzung mit einem bilderlosen Glauben, nach der spirituellen Liebesgeschichte des persischen Kulturkreises nun also das berühmteste Liebespaar der Operngeschichte. Die Wahl lag nahe, hat der damals im Sog von Schopenhauers Philosophie stehende Wagner in den Briefen an seine Zürcher Muse Mathilde Wesendonck doch selbst mehrfach auf die Nähe seiner Musik und ihrer glühenden Todessehnsucht zum Buddhismus hingewiesen. Die geistigen Wurzeln dieses Weltentsagungswerks allerdings reichen weiter, nämlich über Novalis’ «Hymnen an die Nacht» und die sakralen Allegorien des spanischen Barockdramatikers Calderón bis zur mystischen Ekstatik des ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert
1949 schrieb Frank Martin im Auftrag des niederländischen Kammerchors «Fünf Gesänge des Ariel». Doch damit nicht genug. Martin plante ein Musiktheaterwerk zu Shakespeares «Der Sturm». Nicht irgendeine Oper, sondern eine ganz neue Form. «Man könnte sich sehr gut ein Stück des Sprechtheaters vorstellen», so Martin, «in dem die Musik etwas ganz anderes wäre als...
Und es gibt ihn doch: den Berliner Charme. Raffinement ist nicht seine Stärke, er neigt eher zum Rustikalen. Der Ton ist rau, der Witz derber als anderswo, und manchmal strotzt er nur so vor lauter Selbstbewusstsein. An Spree und Havel trägt man das Herz eben nicht auf der Zunge, sondern zeigt es frei nach Schnauze. «Uns kann keener», tönt der Volksmund und...
Könnte von Eichendorff sein: Ein Graf lebt in einem einsamen Schloss und ist mit der Geisterwelt im Bunde. Doch dann schlägt Byron durch: Manfred leidet selbstmordtrunken schreckliche innere Qualen, hervorgerufen durch die heftige Liebe zu seiner Schwester Astarte. Vergebung ist unerreichbar, Tod sein einziges Verlangen – Erlösung, Notwendigkeit und Konsequenz in...
