Phantome, Pragmatiker, Phantasten
«Das Wort ‹Familienbande› hat einen Beigeschmack von Wahrheit.» Wem fallen bei diesem Aphorismus von Karl Kraus nicht gleich die seit 150 Jahren vom Familienclan regierten Bayreuther Festspiele ein. Wagner hat nicht nur die Werktreue erfunden, den Autorwillen durchgesetzt, sein eigenes Theater erbaut, sondern seinen Nachfolgern mit den Modellinszenierungen auch eine Verpflichtung auferlegt, die zwangsläufig im Sackbahnhof der Musealisierung enden musste.
Das Dilemma einer übermächtigen Tradition und der sich erst allmählich von den Musteraufführungen des «Meisters» lösenden Wagner-Regie hat 2019 der die Festspiele begleitende «Diskurs Bayreuth» mit Vorträgen und Gesprächen ins Zentrum gerückt.
Den Paukenschlag setzt Stephan Mösch mit einem einleitenden Essay über die Entstehung des «Jahrhundert-Rings» von Patrice Chéreau und Pierre Boulez, der 1976 die entscheidende Zäsur in der neueren Festspielgeschichte war. Jetzt zugängliche Archivdokumente ermöglichen es, über die Dokumentation der Aufführungen in Bild und Ton hinaus zum ästhetischen Kern dieses «Rings» vorzustoßen. Boulez, der als Dirigent für Wolfgang Wagner von vornherein als gesetzt galt, brachte Peter Stein und Chéreau ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Bayreuth, Seite 13
von Uwe Schweikert
JUBILARE
Jo Ann Pickens absolvierte ihre Gesangsausbildung an der North Texas State University und feierte erste Erfolge an der Lyric Opera of Chicago. Anlässlich eines Gastspiels bei den Salzburger Festspielen lernte sie Europa kennen und ließ sich kurze Zeit danach in Paris nieder, wo sie später auch an der Cité Internationale des Arts Gesang unterrichtete. Die...
Die Bedrohung – sie ist an diesem Abend für den Zuschauer, wenn er beim Abdunkeln des Saals seine Maske abnehmen darf, allgegenwärtig. Etwas bricht aus, verdunkelt das ganze Leben und lässt anfangs keinen Raum für Hoffnung. Corona? Nein, es ist ein Vulkan, ähnlich dem des Jahres 1815 – Tambora. Er bescherte Europa seinerzeit einen Sommer ohne Sonne: ein...
Das Stück passt in die Zeit. Ein Gespinst aus porzellanen Klängen, dass in hauchdünnen, zärtlich-zartbitteren Tönen die tiefste Krise menschlicher Existenz beschreibt – eine Liebe, die in den Tod führt. Doch reicht sie eben auch über ihn hinaus, diese Liebe: als Utopie. Frank Martins «Le vin herbé», 1942 konzertant uraufgeführt, sechs Jahre später bei den...
