Phantome, Pragmatiker, Phantasten

Vor einem Jahr drehte sich der «Diskurs Bayreuth» um Geschichte und Gegenwart der Wagner-Regie. Nun liegt die Dokumentation des Symposiums vor

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«Das Wort ‹Familienbande› hat einen Beigeschmack von Wahrheit.» Wem fallen bei diesem Aphorismus von Karl Kraus nicht gleich die seit 150 Jahren vom Familienclan regierten Bayreuther Festspiele ein. Wagner hat nicht nur die Werktreue erfunden, den Autorwillen durchgesetzt, sein eigenes Theater erbaut, sondern seinen Nachfolgern mit den Modellinszenierungen auch eine Verpflichtung auferlegt, die zwangsläufig im Sackbahnhof der Musealisierung enden musste.

Das Dilemma einer übermächtigen Tradition und der sich erst allmählich von den Musteraufführungen des «Meisters» lösenden Wagner-Regie hat 2019 der die Festspiele begleitende «Diskurs Bayreuth» mit Vorträgen und Gesprächen ins Zentrum gerückt.

Den Paukenschlag setzt Stephan Mösch mit einem einleitenden Essay über die Entstehung des «Jahrhundert-Rings» von Patrice Chéreau und Pierre Boulez, der 1976 die entscheidende Zäsur in der neueren Festspielgeschichte war. Jetzt zugängliche Archivdokumente ermöglichen es, über die Dokumentation der Aufführungen in Bild und Ton hinaus zum ästhetischen Kern dieses «Rings» vorzustoßen. Boulez, der als Dirigent für Wolfgang Wagner von vornherein als gesetzt galt, brachte Peter Stein und Chéreau ...

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Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Bayreuth, Seite 13
von Uwe Schweikert

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