Der Rest ist Schweigen
Das Stück passt in die Zeit. Ein Gespinst aus porzellanen Klängen, dass in hauchdünnen, zärtlich-zartbitteren Tönen die tiefste Krise menschlicher Existenz beschreibt – eine Liebe, die in den Tod führt. Doch reicht sie eben auch über ihn hinaus, diese Liebe: als Utopie. Frank Martins «Le vin herbé», 1942 konzertant uraufgeführt, sechs Jahre später bei den Salzburger Festspielen dann szenisch realisiert (die Aufführung am 24.
August 1948 unter Leitung von Ferenc Fricsay ist ein diskografisches Juwel), rekurriert nicht nur auf das autobiografische Elend seines Schöpfers (1939 starb Martins Ehefrau). Das Stück skizziert, zeitimmanent und zeitlos zugleich, eine gesellschaftliche Notsituation. Auch der Ort, den die Staatsoper Hannover für dessen Wiederaufführung Mitte Juni wählte, um einen Neustart zu wagen, ist mit dem Thema gleichsam vertraut. In den Herrenhäuser Gärten, landschaftsarchitektonisch eine absolute Pittoreske, hatte es bereits im Juni 1945 die erste Opernvorstellung überhaupt nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben. Und wie es der Zufall wollte, war 1965 an gleicher Stelle auch schon einmal «Le vin herbé» gespielt worden, seinerzeit mit der großen Helen Donath als Isolde, die ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Neustart, Seite 17
von Jürgen Otten
Frau Banse, die «Winterreise» hört man normalerweise von Tenören oder Baritonen. Sie singen Schuberts berühmten Liederzyklus nicht nur, sie tanzen ihn auch. Wie geht beides zusammen?
Besser, als ich zunächst dachte. Sich gleichzeitig auf den stimmlichen Ausdruck und die Bewegung zu konzentrieren, brauchte ein bisschen Zeit. Inzwischen fühlt sich beides sehr...
Mit gelindem Sarkasmus drückt Wolfgang Hildesheimer in seinem viel zitierten Mozart-Buch angesichts der Uraufführung der «Zauberflöte» die Hoffnung aus, dass die Sänger dieser Premiere «nicht so aussahen, wie die zeitgenössische Illustration sie dargestellt hat». In dieser Sängerriege befand sich auch Josepha Weber née Hofer und Schwester von Mozarts «Stanzerl» –...
Gustav Mahler», antwortet Dominique Meyer auf die Interviewfrage, welchen seiner Vorgänger er sich als imaginären Gesprächspartner wünsche. Jenen Solitär unter Wiens Operndirektoren also, der diese Position nahezu ins Metaphysische hob, indem er ihren Inhaber zum «Gott der südlichen Zonen» hochstilisierte. Wobei Mahler für Meyer freilich zum Malheur wurde. Denn der...
