Am Abgrund der Pubertät
Dass Wagners frühe «Feen» kaum gespielt werden, hat viele Gründe. Vor allem liegt es am Komponisten selbst. Bekanntlich ackerte sich Wagner nicht nur an der Idee des Gesamtkunstwerks ab, sondern versuchte auch, sein eigenes Schaffen als ästhetisches Integral zu vermitteln. Dazu passten seiner Meinung nach weder «Die Feen» noch «Das Liebesverbot» oder «Rienzi». Deshalb grenzte er diese frühen Opern aus dem Bayreuth-Kanon aus. Man kann das verstehen. Wer über dem «Parsifal» brütet, dem muss dergleichen «schauderhaft», «scheußlich» und «ekelhaft» vorkommen.
So protokollierte Cosima Wagners Selbstkritik in ihrem Tagebuch vom Januar 1879. Und ein paar Monate vorher heißt es: «Die Feen-Ouvertüre gefällt R. nicht, er findet sie zu dramatisch, sie sei nur gut instrumentiert.» Als diese Ouvertüre im Januar 1882 bei einem der fast täglichen Hauskonzerte gespielt wird, zieht sich Wagner gar zurück, um an seiner letzten Partitur zu feilen...
Wenn man «Die Feen» heute hört, wird schnell klar, warum Wagner für seine erste fertiggestellte Oper nie mehr etwas getan hat, nachdem die Uraufführung in Leipzig geplatzt war: Fast alles, was darin an Ansätzen steckt, hat er später klüger, geschickter, ...
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Mit der Oper verhalte es sich wie mit der Liebe, meinte der Schriftsteller Jean Giraudoux: «Das Schönste daran ist die Ouvertüre.» Das alte Vorurteil, das er für diesen Aphorismus missbrauchte – Oper sei langweilig –, wird freilich dadurch aufgehoben, dass er Gleiches auch von der Liebe behauptete.
Uneingeschränkte Liebe zur Oper pulst bei Naxos’ Reihe «Opera...
So unterschiedlich die Aufnahmen in der kontinuierlich wachsenden Chandos-Reihe «Opera in English» auch im Einzelnen ausfallen mögen, eine Tugend haben sie alle gemeinsam: Sorgfalt. Leider ist Sorgfalt in der Oper eine Sekundärtugend und keine Garantie für das Außergewöhnliche, das plötzlich auflodernde «Alles oder Nichts», in dem alles andere unwichtig wird –...
Es gibt sie noch, die klangsensiblen Regisseure. Zwar richtet im Schlussbild der «Pique Dame» Fürst Jeletzky auf Hermann die Pistole, um ihn zu erschießen – aber kein lauter Knall zerreißt das musikalische Geflecht. Stattdessen verschwindet der bankrotte Spieler still durch eine Tür, während der Chor in oratorienhafter Erstarrung sein Todesgebet singt. Sehr...
