Petit Guignol
Im 28. Jahr ihres Bestehens sind die Händel-Festspiele des Badischen Staatstheaters Karlsruhe bei Händels Opern-Opus 1 angelangt: «Almira, Königin von Kastilien», ein Werk des Neunzehnjährigen, komponiert für und uraufgeführt vom Hamburger Theater am Gänsemarkt im Januar 1705. Es ist ein krauses Stück in deutscher und italienischer Sprache, mit vielen Kalauern und vornehmlich französisch inspirierten Tänzchen, endlosen Rezitativen, begleitet vom Continuo. Außerdem: zahlreiche Lieder und Arien. Vorstadttheater, Petit Guignol sozusagen.
Ein einziges Karrusell der Amouren, Intrigen und Verwechslungen. Und ab und an mal ein hübscher melodischer Einfall, eine instrumentale Caprice (wenn schon, dann für Oboe oder Blockflöte). Nebst Wetterleuchten des «V’adoro, pupille» aus «Giulio Cesare». Ansonsten über vier Stunden Leerlauf, von Michael Hofstetter sanft, mit vielen Kunstpausen, am Köcheln gehalten.
In Karlsruhe wurde das Volk von dem für Regie, Bühne und Kostüme zuständigen Peer Boysen samt choreografischem Vize Alain Christensen und dramaturgischer Kuratorin Margrit Poremba als eine aus allen Poren schwitzende Perpetuum-mobile-Produktion auf zwei ständig gegenläufig rotierende ...
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Vor dem schwarzen Vorhang das Vorspiel, von Dirigent Guido Mancusi betriebsam abgewickelt: Schicksalsmotiv der alten Gräfin, galoppierende Bläsersynkopen, das zerbröckelnde Liebesthema, der Nihilismus des «Pathethique»-Schlusses. Autobiografische Züge; eine jener musikalischen Masken, die der Komponist sich aufsetzte, um zu überleben.
Wenn der Lappen hochgeht und...
