Petit Guignol
Im 28. Jahr ihres Bestehens sind die Händel-Festspiele des Badischen Staatstheaters Karlsruhe bei Händels Opern-Opus 1 angelangt: «Almira, Königin von Kastilien», ein Werk des Neunzehnjährigen, komponiert für und uraufgeführt vom Hamburger Theater am Gänsemarkt im Januar 1705. Es ist ein krauses Stück in deutscher und italienischer Sprache, mit vielen Kalauern und vornehmlich französisch inspirierten Tänzchen, endlosen Rezitativen, begleitet vom Continuo. Außerdem: zahlreiche Lieder und Arien. Vorstadttheater, Petit Guignol sozusagen.
Ein einziges Karrusell der Amouren, Intrigen und Verwechslungen. Und ab und an mal ein hübscher melodischer Einfall, eine instrumentale Caprice (wenn schon, dann für Oboe oder Blockflöte). Nebst Wetterleuchten des «V’adoro, pupille» aus «Giulio Cesare». Ansonsten über vier Stunden Leerlauf, von Michael Hofstetter sanft, mit vielen Kunstpausen, am Köcheln gehalten.
In Karlsruhe wurde das Volk von dem für Regie, Bühne und Kostüme zuständigen Peer Boysen samt choreografischem Vize Alain Christensen und dramaturgischer Kuratorin Margrit Poremba als eine aus allen Poren schwitzende Perpetuum-mobile-Produktion auf zwei ständig gegenläufig rotierende ...
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Dass Sergej Rachmaninows Puschkin-Adaption «The Miserly Knight» («Der geizige Ritter») im Repertoirebetrieb nie eine feste Größe wurde, dürfte kaum auf die musikalische Faktur des 1906 am Moskauer Bolschoi Theater uraufgeführten Einakters zurückzuführen sein. Denn zweifellos trägt diese – nach «Aleko» (1892) und zeitgleich mit «Francesca da Rimini» vollendete –...
Merkwürdig – vielleicht beschreibt dieses abgenutzte Kompositum seine Aura am treffendsten. Die Vita und die Kunst eines Mannes, der im Puls seiner Heimat, der mährischen Provinz an der Grenze zur Slowakei, die Umrisse einer neuen Musik entdeckte. Merkwürdig im Wortsinn ist nicht nur das an schrulligen Wendungen reiche Leben des unsteten Einzelgängers, der oft Mühe...
Erstaunlich lange hat Berlin auf Claudio Monteverdi warten müssen. Während der legendäre Zürcher Zyklus von Nikolaus Harnoncourt und Jean-Pierre Ponnelle an fast allen Opernhäusern Europas als Initialzündung für eine Auseinandersetzung mit den Bühnenwerken Monteverdis in historisierendem Klangbild wirkte, ging diese Welle sowohl an der geteilten wie an der...
