Personalien, Meldungen Dezember 2020
JUBILARE
Ernst Krenek war sauer. Stocksauer. Da hatte doch dieser unverschämte junge Regisseur am Staatstheater Darmstadt 1978 sein heiliges Werk «Karl V.» so unbotmäßig und radikal gekürzt, dass der Schöpfer es kaum mehr wiedererkennen mochte. Wütend also suchte der eigens aus den Vereinigten Staaten von Amerika angereiste Komponist das Weite und produzierte damit einen veritablen Skandal. Der dafür Verantwortliche aber hatte gut daran getan, die Oper mit Strichen zu versehen; die Essenz «Karls V.» trat umso deutlicher hervor.
Und so hielt es Günter Krämer ein langes, bewegtes, nie je langweiliges Regisseurs-Leben lang, in der Oper wie im Schauspiel, die er stets auf gleicher Höhe sah. Der Text musste, gesungen oder gesprochen, durchdrungen werden, um eine theatralisch sinnliche Umsetzung zu ermöglichen. Begonnen hatte der 1940 in Neustadt an der Weinstraße Geborene ganz brav und artig als Gymnasiallehrer. Doch bald schon wandte sich Krämer dem Theater zu; zunächst als Regieassistent und Regisseur in Köln (wo er späterhin als Generalintendant wirkte, sich aber mit der Politik wegen juristischer Streitigkeiten überwarf), dann als Oberspielleiter am Stuttgarter Staatstheater, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Service, Seite 48
von Andrea Kaiser
Der Wiener Jugendstil, so hat es Nike Wagner einmal poetisch und zutreffend formuliert, sei die «Kunst der Träumerei entzügelter Nerven». Symptomatisch für diese Zeit steht Alexander Zemlinskys Oper «Der Traumgörge» von 1907. Dessen Titelheld ist ein Träumer, der sich in Bücher versenkt und seine lebenslustige Braut Grete lieber dem bodenständigen Hans überlässt....
Anfang September nahm das Bolschoi Theater wieder den Spielbetrieb auf. Hinter der Bühne warnte ein Schild: «Es ist verboten, die Solisten zu umarmen. Bitte machen Sie keine Fotos mit dem Ensemble.» Zuvor war Russlands größtes Opernhaus für einige Monate geschlossen gewesen, seit dem späten Frühjahr wurden alle regulären Vorstellungen abgesagt, Neuproduktionen...
Erzählt wird eine Geschichte von nachgerade biblischer Archaik: Beim Ansturm der Tataren, wir schreiben das Jahr 1243, flehen die Bewohner der Stadt Kitesh zu Gott, er möge das Schicksal wenden und sie vor dem sicheren Tod bewahren. Der Höchste zeigt sich gnädig gestimmt und lässt die Stadt samt Einwohnerschaft kurzerhand im Erdboden versinken – alle sind gerettet!...
