Paukenschläge aus dem Paradies
Das hohe Lob stammt aus berufenem Munde: «Sie gehört zum Stamm der Pioniere, der Wegbereiter. Sie ist uns vorausgegangen, hat Bäume gefällt, Felsen gesprengt und Brücken gebaut, um den Weg freizumachen für die nach ihr Kommenden.» Es war Virginia Woolf, die diese Worte wählte, um eine der wohl erstaunlichsten Komponistinnen aller Zeiten zu beschreiben – Ethel Smyth. Beide Künstlerinnern verband mehr als eine intensive gegenseitige Zuneigung; sowohl Woolf als auch Smyth stehen mit Leben und Werk geradezu sinnbildlich für einen couragierten Akt der Emanzipation.
Was Virginia Woolf mit ihrer eigenwilligen, hochsensiblen Sprache gelang – der Durchbruch in der literarischen Welt –, das schaffte Ethel Smyth in der Sphäre des Musiktheaters. Wie begabt die Britin auf diesem Gebiet war, konnte man erst im vergangenen Jahr wieder beim Festival in Glyndebourne erleben, wo ihre Oper «The Wreckers» (die wegen des französischsprachigen Librettos im Original «Les Naufrageurs» hieß und hierzulande unter dem Titel «Strandrecht» bekannt geworden ist) aufgeführt wurde – ein klangmächtiges Werk mit expressionistischen Zügen, das zu keiner Zeit die kompositorischen Errungenschaften seiner ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 39
von Jürgen Otten
Zugegeben: Unterhaltungswert hat dieser forcierte Frohsinn schon auch. Die Römer als muntere queere Gesellschaft, die sich in Science-Fiction-Trash in Rosa, Rot und Orange suhlt und das Ballett als glamouröses LGBTQIA+-Musical aufführt; die Christen als bodypositive FKK-Sekte von Mutanten ohne Geschlechtsteile, denen dafür zusätzliche Gliedmaßen vom Rücken baumeln....
Oslos Opernhaus soll mehr sein als nur ein Musentempel – begehbares Wahrzeichen der Stadt und gesellschaftlich relevanter Ort der Begegnung. Nach einigen schwierigen Jahren inklusive Corona-Pandemie zeigt sich das nun mit neuem Führungsteam auch in der Programmgestaltung. Zur Spielzeiteröffnung kam ein Sujet auf die Bühne, das den Alltag vieler Menschen, nicht aber...
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