Paukenschläge aus dem Paradies
Das hohe Lob stammt aus berufenem Munde: «Sie gehört zum Stamm der Pioniere, der Wegbereiter. Sie ist uns vorausgegangen, hat Bäume gefällt, Felsen gesprengt und Brücken gebaut, um den Weg freizumachen für die nach ihr Kommenden.» Es war Virginia Woolf, die diese Worte wählte, um eine der wohl erstaunlichsten Komponistinnen aller Zeiten zu beschreiben – Ethel Smyth. Beide Künstlerinnern verband mehr als eine intensive gegenseitige Zuneigung; sowohl Woolf als auch Smyth stehen mit Leben und Werk geradezu sinnbildlich für einen couragierten Akt der Emanzipation.
Was Virginia Woolf mit ihrer eigenwilligen, hochsensiblen Sprache gelang – der Durchbruch in der literarischen Welt –, das schaffte Ethel Smyth in der Sphäre des Musiktheaters. Wie begabt die Britin auf diesem Gebiet war, konnte man erst im vergangenen Jahr wieder beim Festival in Glyndebourne erleben, wo ihre Oper «The Wreckers» (die wegen des französischsprachigen Librettos im Original «Les Naufrageurs» hieß und hierzulande unter dem Titel «Strandrecht» bekannt geworden ist) aufgeführt wurde – ein klangmächtiges Werk mit expressionistischen Zügen, das zu keiner Zeit die kompositorischen Errungenschaften seiner ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 39
von Jürgen Otten
Es ist ein interessantes Experiment, das jüngst an der Opéra de Rouen Normandie angestellt wurde. In Zusammenarbeit mit dem Palazzetto Bru Zane, dem in Venedig beheimateten Zentrum für französische Musik der Romantik, brachte das Haus nach der Urfassung von Offenbachs «La Vie Parisiènne» im Jahr 2021 nun die Ur-«Carmen» heraus. Nicht in musikalischer Hinsicht:...
Als Jean-Baptiste Lully 1687 starb, stand die Tragédie en musique vor einem epochalen Umbruch. Zwei Musiker schlugen neue Wege ein – André Campra und Henry Desmarest. Campra trug den Sieg davon, weil Desmarest, der begabteste Komponist in Lullys Nachfolge, 1699 aus Frankreich fliehen musste. Es dauerte mehr als drei Jahrhunderte, bis mit der 1694 uraufgeführten...
Einer der besterhaltenen Theaterbauten des 18. Jahrhunderts, prachtverliebt und doch geschmackvoll, riesig für seine Zeit und zugleich intim, leuchtend in Blau und Gold und dennoch aus Holz, Zeichen höfischer Eitelkeiten wie des Bewusstseins für Vergänglichkeit – das ist das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth. Es war der 1748 von Markgräfin Wilhelmine eröffnete...
