Kalafs Halluzination?
Im vergangenen September, angesichts von Peter Konwitschnys szenischer Interpretation des «Eugen Onegin» in Bratislava, hatte ein aus Wien angereister Zuschauer neben mir noch gegreint: «Jetzt kann man hier auch nicht mehr hinfahren.» Sollte der Mann dennoch einen weiteren Versuch gewagt haben, etwa zur «Turandot», dürfte Joszef Bednáriks Inszenierung ihm ein glückliches Lächeln ins Gesicht gezaubert haben: keine Dekonstruktion, keine Herausforderung hinsichtlich ungewohnter kontroverser Gedanken. Stattdessen die erwartete Opulenz, Chinoiserien en gros.
Freilich wäre der Vorwurf, der Regisseur habe bloß die kulinarische Außenhaut des Stücks bedient, nicht ganz gerecht. Bednárik würfelt, wenn man so will, postmodern mit vielfältigen theatralischen Aspekten, paraphrasiert den Urahn des Stücks, Gozzis Commedia-dell’-arte-Märchen, durch Schattenspiele, bricht die lineare Handlung durch eine wie ein Running Gag durchs Stück eilende Tänzerin, die quasi die utopischen Fantasien der Protagonisten verkörpert. Am Bühnenportal findet sich von Beginn an eine Art Miniaturschatzkammer, darin eine tanzende Puppe aus Gold. Turandot selbst erscheint später in einer größeren Version dieser ...
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Nach dem «Onkel aus Boston», den Helmuth Rilling aus der Versenkung geholt und wieder aufführungstauglich gemacht hatte (vgl. OW 11/2004), gilt es nun erneut einen Repertoire-Exoten zu begrüßen: «Heimkehr aus der Fremde» heißt das «Liederspiel in einem Akt», das am 26. Dezember 1829 uraufgeführt wurde.
Man vergegenwärtige sich folgende Situation: Einhundertzwanzig...
Sie haben sich persönlich gekannt und in gewisser Weise geschätzt, aber in künstlerischer Hinsicht können sie als Antipoden gelten: Alfredo Catalani, der letzte Romantiker der italienischen Oper, und Pietro Mascagni, der «Erfinder» des musikalischen Verismo. Catalani starb, nachdem er mit «La Wally» (1892) im Opernbetrieb endlich Fuß gefasst hatte. Mascagni, der...
Einmal im Kreis laufen kann eine Reise zu einem fernen Ort bedeuten, ein kurzes Kopfnicken das Ende eines langen Schlafes anzeigen. Das chinesische Theater hat Bewegungen und Gebärden wie diese über Generationen entwickelt und bewahrt. Bertolt Brecht hat es bewundert. Oder präziser: Weniger die Techniken der Beibehaltung als jene der Veränderung des Ausdruckskanons...
