Parsifal am Zoo

Kühr: Paradiese
LEIPZIG | OPER

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Die Oper war stets Labor der Moderne: Soziale, politische, ästhetische, ökonomische und technische Neuerungen aller Art sind zeitnah in sie eingegangen. Der Film, multimediale «Gesamtkunstwerk»-Verlängerung, hat solche Symbiose noch potenziert. Trotzdem galt/gilt nicht wenigen Jüngeren Oper als altmodisch, der Besuch als bürgerliches Ritual, nicht selten «langweilig». Ein Grund hierfür dürften die in raum-zeitliche Ferne gerückten Sujets sein: antike Mythologie, gar germanische (Wagner), Mittelalter, exotische Schauplätze.

Der österreichische Komponist Gerd Kühr hält nichts von solcher «Zeitlosigkeit». Für seine erste Oper «Stallerhof» tat er sich mit dem Münchner Dramatiker Franz Xaver Kroetz zusammen, für eine realistisch-giftige Abrechnung mit der alles andere als «heilen» bäuerlichen Welt. Nun wechselte er vom Rustikalen ins schlechthin Großstädtische in Form einer regelrechten Berlin-Kolportage. «Paradiese» heißt seine Gemeinschafts-Arbeit mit dem Schriftsteller Hans-Ulrich Treichel, Librettist für Henze wie Detlev Glanert.

Treichel-Kührs «Paradiese» beschreiben die Bildungs-Odyssee eines jungen Mannes im Moloch Berlin: Parsifal steht am Bahnhof Zoo. Für den Studenten ...

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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Panorama, Seite 72
von Gerhard R. Koch

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