«Ich will es gar nicht anders»

Lise Davidsen ist ein Ausnahmetalent. Schlag auf Schlag hat die hochgewachsene 34-Jährige in den letzten fünf Jahren die großen Bühnen erobert: als Strauss’ Ariadne, Beethovens Leonore, Tschaikowkys Lisa und natürlich Wagners Elisabeth und Sieglinde

Frau Davidsen, im vergangenen Jahr wurden zum ersten Mal in der Nachkriegszeit die Bayreuther Festspiele abgesagt, Ihr Sieglinden-Debüt verschob sich, die «Tannhäuser»-Reprise ebenfalls. Dieses Jahr sind Sie zurückgekehrt auf den Grünen Hügel, aber es muss eine ganz andere Erfahrung gewesen sein als 2019.
Natürlich, die Hygieneauflagen sind streng. Wir werden engmaschig auf Corona getestet.

In die «Ring Lounge» – ach, das klingt so modisch – also in den Aufenthaltsraum konnten wir nur während der im Probenplan festgelegten Pausen, damit wir nicht auf andere Teams treffen. Dinge wie der Austausch mit allen Kollegen beim Essen in der Kantine entfallen natürlich. Aber das ist doch ein kleiner Preis, immerhin können wir überhaupt vor Publikum auf die Bühne! Und nach den Festspielen steht endlich meine zweite Impfung an. Die Pause nach der ersten Dosis war etwas länger als medizinisch nötig, aber der Körper wird ja doch belastet, das wollte ich während der Vorstellungen nicht riskieren.

Wenn man sich anschaut, wo Sie heute stehen, nimmt man an, dass Sie von Kindesbeinen an auf der Bühne gestanden haben müssen. Stattdessen haben Sie in einem kleinen Ort südwestlich von Oslo Fußball und ...

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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Interview, Seite 60
von Wiebke Roloff Halsey

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