Paris: Nervöse Klage
Norma, Amina, Lucia, Elvira: Frauengestalten, deren seelischer Seismograph empfindlich ausschlägt und bei Schockerfahrungen zerbricht. Deren psychotische Schübe, deren Wahnsinn sich in halsbrecherischen Koloraturen, mezza-voce-Fäden, fein gesponnenen Passagen entäußert. In Form nervös zitternder Klagegesänge aus einem Reich zwischen Traum und Wirklichkeit. Als «Selbstgespräche» unglücklicher Frauen hat Edita Gruberova einmal diese unendlich scheinenden Linien bezeichnet.
In Vincenzo Bellinis «I puritani» wird Elvira dadurch aus der Bahn geworfen, dass Arthur, ihr Gatte in spe, kurz vor der Hochzeit mit einer anderen flieht. Dass der als Parteigänger der Königstreuen damit die Witwe des enthaupteten englischen Königs retten will, weiß sie da noch nicht. Fortan lebt sie in einer Traumwelt, ihr berühmtes «Qui la voce sua soave» richtet sie an eine Fantasiefigur. Dieses Paradestück des Belcanto gelingt Maria Agresta in der Pariser Neuinszenierung von Laurent Pelly mit ihrem eleganten, geschmeidigen und sauber fokussierten Sopran wunderbar farbig. Überhaupt durchlebt sie ihre emotionalen Achterbahnfahrten mitreißend, auch wenn die nicht immer eine dramaturgisch schlüssige Wendung nehmen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Mathias Nofze
Ignacy Ian Paderewski (1860-1941) ist als herausragender Klavier-Virtuose in die Musikgeschichte eingegangen, einige Aufnahmen haben sein Können und seine Eigenart für die Nachwelt festgehalten. Für die Polen aber war er viel mehr als ein Pianist: ein nationaler Heros, einige Jahre sogar Ministerpräsident seines Heimatlandes. Und auch das Komponieren betrieb er...
Statt des aus Hexen- und Lady-Motiven montierten «Preludio» springen 15 Magdeburgerinnen im Parkett auf, kapern die Bühne, skandieren «Mädchen sind brav. War ich nicht. Ich war anders». Sie nutzen das Theater, um sich Gehör zu verschaffen, die Gruppe, um in ihr Schutz zu suchen. Der zornige Sprechchor rekapituliert rhythmisch klappernd die Geschichte einer von...
Ob Filme unbedingt den Auftritt von Stars brauchten, wurden neulich die Coen-Brüder gefragt. Das sei, antworteten sie, «ein sehr kompliziertes Thema, über das man stundenlang reden könnte». In der Oper ist die Sache so eindeutig wie im Fußball: Stars auf dem Spielfeld, besser: ein Superstar, steigern für viele Menschen den Erlebniswert einer Veranstaltung, sie...
