Leonora im Wunderland

Anna Netrebko, Plácido Domingo und Daniel Barenboim verschaffen Verdis «Trovatore» an der Berliner Staatsoper einen Triumph.

Opernwelt - Logo

Ob Filme unbedingt den Auftritt von Stars brauchten, wurden neulich die Coen-Brüder gefragt. Das sei, antworteten sie, «ein sehr kompliziertes Thema, über das man stundenlang reden könnte». In der Oper ist die Sache so eindeutig wie im Fußball: Stars auf dem Spielfeld, besser: ein Superstar, steigern für viele Menschen den Erlebniswert einer Veranstaltung, sie vermehren – von Anna Netrebko bis Franck Ribéry, von Plácido Domingo bis Ronaldo – ihre Effektivität beim Publikum und damit ihren Marktwert.

Anna Netrebko und Plácido Domingo an der Berliner Staatsoper im Schiller Theater zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne, obendrein mit Rollendebüts, die das jeweilige Stimmfach erweitern – mehr Aufmerksamkeit, mehr Hype konnte ein deutsches Opernhaus allein schon mit der Ankündigung dieses «Trovatore» nicht erzeugen, dem Musikchef Daniel Barenboim mit seiner Berliner Staatskapelle klangdramatisches Leben einflößen würde.

Die berühmteste, auch am Boulevard schillerndste Operndiva der Gegenwart und der legendäre Tenor der Epoche gestalten zwei der leidenschaftlichsten Verdi-Partien – sie die im Liebeswahn zur Selbstauflösung neigende Leonora, er den Grafen Luna, der seiner sexuellen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Wolfgang Schreiber

Weitere Beiträge
Genf: Wohldosiertes Heldentum

Ein Selbstläufer sei gerade dieser erste Akt, heißt es. Nicht nur wegen Wagners detaillierten Libretto-Anweisungen, sondern auch, weil die Musik extrem gestisch ist. Unerhört, minutiös aufgedröselt – und dabei so ungemein gefährlich. Das alles kann zum Mickey Mousing verführen. Es sei denn, da hört einer genau hin. Und bringt das Ganze auf die Bühne mit dem...

Chauvinist!

Minderwertigkeitskomplexe hat er nicht: Als der Kongress seinen Vorschlägen zustimmt, dankt er «im Namen der Menschheit». Seinen Mitarbeitern gegenüber gibt er sich als toleranter Chef. Doch seine Anordnungen setzt er mit brutaler Härte durch, Zuwiderhandelnden drohen drakonische Strafen.

Wer ist es? Obama? Nein, denn Frauen kommen bei ihm für Führungsaufgaben...

Paris: Nervöse Klage

Norma, Amina, Lucia, Elvira: Frauengestalten, deren seelischer Seismograph empfindlich ausschlägt und bei Schockerfahrungen zerbricht. Deren psychotische Schübe, deren Wahnsinn sich in halsbrecherischen Koloraturen, mezza-voce-Fäden, fein gesponnenen Passagen entäußert. In Form nervös zitternder Klagegesänge aus einem Reich zwischen Traum und Wirklichkeit. Als...