Leonora im Wunderland
Ob Filme unbedingt den Auftritt von Stars brauchten, wurden neulich die Coen-Brüder gefragt. Das sei, antworteten sie, «ein sehr kompliziertes Thema, über das man stundenlang reden könnte». In der Oper ist die Sache so eindeutig wie im Fußball: Stars auf dem Spielfeld, besser: ein Superstar, steigern für viele Menschen den Erlebniswert einer Veranstaltung, sie vermehren – von Anna Netrebko bis Franck Ribéry, von Plácido Domingo bis Ronaldo – ihre Effektivität beim Publikum und damit ihren Marktwert.
Anna Netrebko und Plácido Domingo an der Berliner Staatsoper im Schiller Theater zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne, obendrein mit Rollendebüts, die das jeweilige Stimmfach erweitern – mehr Aufmerksamkeit, mehr Hype konnte ein deutsches Opernhaus allein schon mit der Ankündigung dieses «Trovatore» nicht erzeugen, dem Musikchef Daniel Barenboim mit seiner Berliner Staatskapelle klangdramatisches Leben einflößen würde.
Die berühmteste, auch am Boulevard schillerndste Operndiva der Gegenwart und der legendäre Tenor der Epoche gestalten zwei der leidenschaftlichsten Verdi-Partien – sie die im Liebeswahn zur Selbstauflösung neigende Leonora, er den Grafen Luna, der seiner sexuellen ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Wolfgang Schreiber
Seit der Uraufführung in Bremen 1999 ist Detlev Glanerts Kammeroper über den Justizmord an Joseph Süß Oppenheimer, dem Financier des württembergischen Dandy-Herzogs Karl Alexander, mehrfach nachgespielt worden. Zuletzt war das im frühen 18. Jahrhundert angesiedelte, virtuos mit Mustern und Formen der Barockmusik jonglierende Stück in Trier (siehe OW 7/2010) sowie...
Ignacy Ian Paderewski (1860-1941) ist als herausragender Klavier-Virtuose in die Musikgeschichte eingegangen, einige Aufnahmen haben sein Können und seine Eigenart für die Nachwelt festgehalten. Für die Polen aber war er viel mehr als ein Pianist: ein nationaler Heros, einige Jahre sogar Ministerpräsident seines Heimatlandes. Und auch das Komponieren betrieb er...
Wer vieles bringt», sagt der Theaterdirektor in Goethes «Faust»-Vorspiel, «wird manchem etwas bringen; und jeder geht zufrieden aus dem Haus. Gebt ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken. Solch ein Ragout, es muss euch glücken.» Das Stück heißt «Die Stimme», und es verspricht viel, zielt im Grunde auf alles, was die vox humana betrifft: «Grundlagen –...
