Opas Oper

Köln, Verdi: Un ballo in marschera

Opernwelt - Logo

Mit Spannung war das Regiedebüt des Tenors José Cura erwartet worden. Und der erste Akt beginnt auch durchaus vielversprechend: Graf Riccardo zeigt sich als  moderner Autokrat, der seine Mitarbeiter am großen Konferenztisch antreten lässt und unter einem riesigen Porträt seiner selbst (in jungen Jahren) den Regierungsgeschäften nachgeht. Er hat es trotz seiner dunklen Hautfarbe in einer Gesellschaft weißer Eliten zu etwas gebracht und ist bei jedem Anzeichen von Rassismus entsprechend alarmiert.

Aus diesem Grund hebt er das Urteil gegen die schwarze Wahrsagerin Ulrica auf, lässt den Richter verhaften und später, wie sich zeigt, sogar töten. So weit die Exposition.
Das zweite Bild lebt von dem wahrhaft unheimlichen Charakterporträt, das Dalia Schaechter von der blinden Seherin Ulrica zeichnet. Jenseits dessen erhebt aber schon hier Opas Oper ihr graues Haupt: Zwar behaupten ein paar verbeulte Fässer Slum-Atmosphäre, wäh­rend eine bühnenhoch ragende Gitterkonstruktion technoide Kälte ahnen lässt. Doch wird das alles ins mild-romantische Licht zahlloser kleiner Lämpchen getaucht; der Chor bildet malerische Gruppen, zerlumpte Fischer flicken (im Dunkeln!) ihre Netze. So geht das fort: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen
Weitere Beiträge
Lyrischer Zauber, dramatische Prägnanz

Die Erstveröffentlichung des Bayreuther «Ring» von 1955 unter Joseph Keilberth haben wir an dieser Stelle als kleine Sensation ausführlich gewürdigt (siehe OW 4/2007). Nun legt das britische Label Testament mit einem weiteren historischen «Ring» nach, der bisher nur als klanglich fragwürdige Piratenaufnahme existierte. Es handelt sich um den Londoner Zyklus von...

Der Kaiser ist (fast) nackt

Glyndebourne war einmal ein Ort, an dem (auf Einladung von Günther Ebert und Peter Hall) bedeutende Monteverdi-Pioniere arbeiteten. Doch das ist lange her, abgesehen von einer «Poppea» zum fünfzigjährigen Jubiläum des Festivals 1984. Wenn nun die neue «Poppea»-Produktion dort eines bestätigt, so die Erkenntnis, dass das Stück dramaturgisch größere Probleme aufwirft...

Der Kuss der Sphinx

Ildebrando Pizzetti gehört zusammen mit Alfredo Casella, Gian Francesco Malipiero und Ottorino Respighi zu jenen um 1880 geborenen italienischen Kom­ponis­ten, die die Vorherrschaft der veris­tischen Oper brechen und sich verstärkt wieder an der Tradition der Ins­trumentalmusik orientieren wollten. Heutzutage ist ihr Schaffen, mit Ausnahme von Respighis populärer...