Bieder, beengt
Die Geduld zahlte sich nicht aus: Achtundzwanzig Jahre hat man in Braunschweig auf diese «Lohengrin»-Neuinszenierung gewartet, doch zumindest szenisch blieb das Ergebnis unter dem üblichen Niveau des Staatstheaters.
Auf der Bühne sehen wir eine riesige Holzskulptur, halb Schwanenskelett, halb Trojanisches Pferd, die so gar nichts von Wagners silbrig-mystischer Märchenwelt vermittelt; entworfen hat sie der österreichische Künstler Gregor Zivic.
Viel Platz zum Agieren ist da nicht: In der Skulptur geraten die Choristen durch zahllose Schwellen aus dem Takt, davor werden sie durch einen zusätzlichen Bühnenrahmen beengt. Der Grund: Regisseur Michael Sturminger wollte, dass Elsa diesen «Lohengrin» aus der ersten Reihe eines Theaters erlebt, bis man sie selbst ins Geschehen zieht. Schleierhaft nur, was Elsa an dem biederen Herrn mit Honecker-Hut finden könnte. Auch die Chöre in Sportkleidung der Dreißiger wirken weder attraktiv noch bedrohlich. Da aber dieser ganze Ausflug in die Theater- oder Filmwelt nicht glaubwürdig ist, verpufft auch das an sich charmant gedachte bürgerliche Happy End: Elsa kehrt in die erste Reihe zurück, auch der Eis lutschende Gottfried findet sich dort ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das zweistöckige Haus Kettenbrückengasse 6 unweit des Theaters an der Wien sieht mit seiner schmutzig-traurigen Fassade aus, als würde es den Tod Franz Schuberts noch heute betrauern. Vor 180 Jahren starb der Komponist dort, erfror an der Welt, quälte sich davor noch seine «Winterreise» ab. Man erinnert sich an die Szenen in Fritz Lehners Schubert-Verfilmung «Mit...
So wenig Held war Lohengrin selten. Ein unauffälliger, ältlicher Mann in dunkelgrauem Mantel, der unbeachtet auf seinem Reisekoffer mitten im Volk von Brabant herumsitzt. Nicht einmal ein Schwert hat er dabei – das muss er sich für seinen Kampf gegen Telramund mal eben bei einem konsternierten Edlen leihen.
Aber da ist ja Elsa, das somnambule Mädchen, das...
Die Überraschung kommt aus dem Orchestergraben: So transparent und dialogfreudig geht das Orchester der Royal Opera in London seinen neuen «Figaro» an, dass man glatt auf John Eliot Gardiner oder Roger Norrington am Pult tippen könnte. Tatsächlich aber ist es Covent-Garden-Chef Antonio Pappano, der hier den Ton angibt – und damit zeigt, dass er seine Lektion in...
