Bieder, beengt
Die Geduld zahlte sich nicht aus: Achtundzwanzig Jahre hat man in Braunschweig auf diese «Lohengrin»-Neuinszenierung gewartet, doch zumindest szenisch blieb das Ergebnis unter dem üblichen Niveau des Staatstheaters.
Auf der Bühne sehen wir eine riesige Holzskulptur, halb Schwanenskelett, halb Trojanisches Pferd, die so gar nichts von Wagners silbrig-mystischer Märchenwelt vermittelt; entworfen hat sie der österreichische Künstler Gregor Zivic.
Viel Platz zum Agieren ist da nicht: In der Skulptur geraten die Choristen durch zahllose Schwellen aus dem Takt, davor werden sie durch einen zusätzlichen Bühnenrahmen beengt. Der Grund: Regisseur Michael Sturminger wollte, dass Elsa diesen «Lohengrin» aus der ersten Reihe eines Theaters erlebt, bis man sie selbst ins Geschehen zieht. Schleierhaft nur, was Elsa an dem biederen Herrn mit Honecker-Hut finden könnte. Auch die Chöre in Sportkleidung der Dreißiger wirken weder attraktiv noch bedrohlich. Da aber dieser ganze Ausflug in die Theater- oder Filmwelt nicht glaubwürdig ist, verpufft auch das an sich charmant gedachte bürgerliche Happy End: Elsa kehrt in die erste Reihe zurück, auch der Eis lutschende Gottfried findet sich dort ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Quadratisch, praktisch, gut: Für Gounods «Romeo und Julia», das in Schwerin erstmals zu sehen war, benützt Bühnenbildner Robert Pflanz unterschiedlich hohe Quader. Sie lassen sich für jede Szene schnell neu arrangieren und wirken doch nie banal. Gemäßigt abstrakt bringt Regisseur Arturo Gama das Werk auf die Bühne, und das tut der Oper gut. Denn wenn schon über...
Manchmal werden selbst die üppigsten Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Das Größte, das Schönste, das Beste sollte es sein, als man Anfang der neunziger Jahre in Baden-Baden über ein neues Veranstaltungshaus für Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen nachdachte. Die beschauliche Stadt an der Oos hatte es satt, in der öffentlichen Wahrnehmung als Kurort und...
Einer der unumstößlichen Regiegrundsätze lautet: Wer sich bei Kollegen freimütig bedient, sollte sich nicht erwischen lassen – und wenn doch, dann wenigstens dazu stehen. Beides ging bei der diesjährigen Eröffnung der Wiesbadener Maifestspiele daneben, die einerseits zum großen Erfolg für GMD Marc Piollet und sein Orchester wurde, andererseits aber ein...
