Paradis artificiels
Es muss ihm wie ein Traum vorgekommen sein. Schon ein Greis war Gustave Charpentier, als die Opéra-Comique in Paris anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums seiner «Louise» eine neue Inszenierung durch den französischen Maler Maurice Utrillo vorbereitete, die gut und gern unter dem Motto «1000 Mal berührt, und stets ist etwas passiert» hätte stehen können. Denn nicht allein die unverhohlene Hommage an die zauberische Hauptstadt des 19.
Jahrhunderts war dafür verantwortlich, dass dieses Werk die Zeiten überdauert hatte – es war der Stoff selbst und vor allem diese mit Esprit gefüllte Musik, die den ungewöhnlich langanhaltenden Erfolg ermöglichte.
Allein, der Zahn der Zeit, er nagte danach auch an «Louise». Der Roman musical, wie sein Schöpfer die von ihm selbst schon während eines Aufenthalts in der Villa Medici 1887 in Ansätzen skizzierte Geschichte einer unbändigen wie unerfüllten Liebe in Anlehnung an die (Paris-)Romane von Zola, Balzac und Eugène Sue genannt hatte, verblasste nach und nach – «Louise» ist heute für viele die Unbekannte von der Seine, auf den Spielplänen suchte man sie in jüngerer Vergangenheit vergebens. Umso ritterlicher mutet die Entscheidung des Theaters ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten
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Die Neuproduktion von «Pelléas et Mélisande» an der Pariser Nationaloper ruht fast ganz auf den Schultern beziehungsweise Gurgeln des Titelpaars. Sabine Devieilhe singt die Mélisande seit nunmehr zehn Jahren: konzertant (in Tourcoing 2015 und am Pariser Théâtre des Champs-Élysées 2018) und auch szenisch (Ende letzter Spielzeit mit großer Resonanz an der Bayerischen...
