Liebe ist nur eine Möglichkeit
Sinnierend sitzt sie am äußersten Bühnenrand und lauscht der traurigen Weise des Englischhorns. Wo wir sind? Im dritten Aufzug von Wagners Weltendrama «Tristan und Isolde». Eigentlich ist dieser Akt auf Isoldes sehnlichst erwartete Ankunft in Tristans Heimat Kareol ausgerichtet. In Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung am Staatstheater Darmstadt aber ist Isolde von Anfang an so präsent, als wäre sie die heimliche Regisseurin. Ausgelöst wird ein grundlegender Perspektivwechsel: nicht mehr Tristans Erlösung durch Isolde, sondern Isoldes Lösung von Tristan.
Sie hat es ja von Anbeginn gewusst – «mir erkoren, mir verloren». Und noch zuvor, im szenisch gefassten Orchestervorspiel, sieht Isolde in einem Video-Fenster, wie sich Tristan von einem Felsen stürzt. Weder leben noch sterben konnte sie gemeinsam mit ihm: Er kam zu spät, um mit ihr zu leben, sie kam zu spät, um mit ihm zu sterben. Jetzt muss sie für sich allein schauen: einmal zurück in einer Art Anamnese ihrer Leidens- und Liebesgeschichte, einmal nach vorn, in einem musikalischen Befreiungsschlag. Ihren Schlussmonolog singt Isolde als einsame Lichtgestalt auf Fabian Liszts im Dunkeln versunkener Bühne – ihre Geschichte mit Tristan ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Lotte Thaler, Peter Krause
Auf einem braunen Ledersessel, hinter einem großen Lenkrad, sitzt eine Frau mit dunkler Sonnenbrille und Lederjacke. Mit einem türkischen Popsong auf den Lippen lenkt sie den fiktiven Bus an der Skyline einer Großstadt vorbei. Hinter ihr klammern sich zwei Männer und eine Frau an einer Haltestange fest und wippen schlecht gelaunt im Takt. Eine türkische Version des...
Fürwahr, der hanebüchene Plot des zu Weihnachten 1833 an der Mailänder Scala uraufgeführten Werks geht in diesem Fall nicht auf das Konto des Librettisten. Im Gegenteil, Felice Romani tat alles, um die Knoten der schauerromantischen Tragödienvorlage Victor Hugos zu entwirren. So wird die in Venedig und Ferrara angesiedelte Handlung überhaupt erst nachvollziehbar:...
Aus der Schweiz dringt ungute Kunde zu uns: Luzerns Stimmbürgerinnen und -bürger votierten Anfang Februar gegen einen sogenannten «Projektierungskredit» für den Neubau des städtischen Theaters. 58 Prozent der Befragten stimmten mit Nein, und das, obwohl das Stadtparlament sich zuvor einhellig, über alle Parteigrenzen hinweg, für das mit 130 Millionen Schweizer...
