Hundert Jahre Gemeinsamkeit

John Cage und John Dowland passen zusammen, das zeigen Jean-Christoph Groffe und sein Ensemble «Thélème»

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Zu den auffälligsten Tendenzen der jüngsten Zeit gehört es, dass die Mauern zwischen ganz alter und ganz neuer Musik, zwischen historisch informierter Aufführungspraxis und moderner Interpretation immer häufiger fallen.

Der Buchstabe der Überlieferung wird in der Ausführung nicht mehr wörtlich eingefordert, sondern frei übersetzt, ja gänzlich ausgeblendet, wobei die stilistischen Mutationen etwa bei Simon-Pierre Bestion und seinem Ensemble «La Tempête», wie jüngst im erfrischend unkonventionellen Orlando di Lasso-Porträt, bis in die Pop-Musik reichen, aber auch die Konfrontation mit der experimentellen Avantgarde nicht scheuen.

Gleiches gilt im kleineren Maßstab, aber nicht weniger schlüssig für den Bassisten Jean-Christophe Groffe und sein in Basel ansässiges Ensemble «Thélème». Zuletzt brachte die Gruppe Lieder des Renaissance-Kompo -nisten Josquin Desprez heraus, von einem elektromechanischen Klavier und Synthesizer begleitet. Das funktionierte überraschend gut. Jetzt verbindet Groffe Auszüge aus den «Song Books» von John Cage mit Liedern aus dem «Second Book of Songs» von John Dowland. Eine wahrlich faszinierende Melange.

Es bedarf nicht einmal des ambitionierten ...

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Opernwelt April 2025
Rubrik: Medien, Seite 28
von Uwe Schweikert

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