Originell verwickelt

Johann Simon Mayrs «La due duchesse» in der Ersteinspielung unter Franz Hauk

Bescheidenheit sei eine Eigenschaft, die davon herrühre, dass man sich der eigenen Fähigkeiten bewusst sei, meinte der Maler Paul Cézanne. Ob sich diese Erkenntnis bereits dem Komponisten Johann Simon oppure Giovanni Simone Mayr (1763– 1845) eröffnete, vermögen wir nicht zu sagen. Auf jeden Fall drängte Mayr sich nie vor, obwohl der 1789 nach Italien abgewanderte, später in Bergamo ansässige Bayer die Geschichte der italienischen Oper beträchtlich beeinflusste. Nicht nur als Lehrer Gaetano Donizettis, sondern auch mit rund 70 eigenen Bühnenwerken.

Von diesen wusste man lange freilich wenig; dabei bildete Mayr zusammen mit Luigi Cherubini, Fernando Paër und Gaspare Spontini damals das mächtige Quadrumvirat in Italiens Opernszene. Kurios, dass einzig der Deutsche in Italien blieb, die drei Italiener ihr Glück jedoch im Ausland – vor allem in Paris – suchten. Freilich wurde man erst in jüngerer Zeit auf Mayrs Werk erneut aufmerksam, wiewohl er mit einem Katalog von fast 700 Werken einer der fruchtbarsten Tonschöpfer seiner Zeit war. Dem Verlangen nach möglichst kompletter Aufarbeitung der Musikgeschichte verdankt sich auch die Wiederentdeckung von Mayrs Œuvre, wobei sich der ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Gerhard Persché

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