Silentium
Tacet» ist bekanntlich eine Spielanweisung in der Interpretation von Musik. Sie bezeichnet das Schweigen eines bestimmten Instruments während einer Phrase, eines gesamten Satzes – oder gar ein ganzes Stück; John Cage hat hiefür mit «4’33”» ein ironisches Gleichnis geschaffen. Besser sollte der Begriff indes mit «Es ist still» übersetzt werden, scheint doch das Schweigen eher dem Wort und dem Sprechen zugeordnet, die Stille hingegen dem Ton und dem Klang.
Das trifft sich wiederum mit der Aussage des Schweizer Philosophen Max Picard, der in «Die Welt des Schweigens» formulierte: «Wo das Wort aufhört, fängt zwar das Schweigen an. Aber es fängt nicht an, weil das Wort aufhört. Es wird nur dann deutlich».
Was durchaus auch auf die Stille angewandt werden könne, wie Picards Landsmann Philippe Jordan es in seinem «Der Klang der Stille» übertitelten Buch von Haide Tenner aufzeichnen lässt: «Stille ist die schönste Musik, die mächtigste und wohltuendste, denn die allergrößte Musik kommt aus der Stille. Was immer wir aus dieser Stille nehmen, sei es der Rosenkavalier oder die Fünfte von Beethoven, ist nur ein Teil davon – ein Teil von Stille, der lebendig gemacht wird». Wie denn auch Weiß ...
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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Gerhard Persché
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