Im Schatten des Kastratenkults
Tenöre und Bässe hatten in der Barockoper nicht viel zu sagen und meist auch nur wenig zu singen. Die Stars der italienischen Opera seria waren die Kastraten. Sie verkörperten die Helden, Könige und Liebhaber, standen im Zentrum der Handlung wie der Musik, während sich die natürlichen Männerstimmen mit Nebenrollen begnügen mussten: Götter, Väter, Philosophen, Zauberer, Soldaten, denen hin und wieder eine kürzere Arie zufiel. Licht in diese Vernachlässigung, an der sich erst mit dem Ende des Kastratenkults am Ausgang des 18.
Jahrhunderts etwas änderte, bringt jetzt ein Album des argentinischen Bassisten Nahuel Di Pierro, das die Entwicklung über einen Zeitraum von hundert Jahren nachzeichnet. Am Beginn steht mit Seneca in Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» (1642) die erste große Bass -rolle der Operngeschichte, am Schluss eine Arie des Zoroastro aus Händels «Orlando» (1733).
Di Pierro, der sich vor allem als Mozart- und Rossini-Interpret einen Namen gemacht hat, besitzt eine imponierende, sonore, so voluminöse wie farbenreiche, in der Höhe leicht ansprechende Stimme. In der Tiefe erreicht er das große D, Koloraturen bewältigt er mit stupender Eleganz.
Vollauf gerecht wird Di ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Medien, Seite 31
von Uwe Schweikert
Verdis «La forza del destino» ist und bleibt ein Sorgenkind der Regie. Zu unüberschaubar das Gewirr der Handlung, zu lose gereiht die Szenenfolge um die Liebe zwischen der adeligen Leonora und dem «Mestizen» Alvaro aus indigenem Adel. Ein versehentlich sich lösender Pistolenschuss, die Verfolgung des getrennten Paares durch Leonoras fanatisch hassenden Bruder...
arte
07.04. – 00.50 Uhr Javier Perianes spielt Scarlatti & Albéniz
Der spanische Pianist Javier Perianes begibt sich auf die Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen den Komponisten Domenico Scarlatti und Isaac Albéniz, die zeitlich zwar zwei Jahrhunderte auseinander liegen, sich aber durch die Verbindung mit der andalusischen Folklore nahe sind.
08.04. – 01.05 Uhr...
Es muss ihm wie ein Traum vorgekommen sein. Schon ein Greis war Gustave Charpentier, als die Opéra-Comique in Paris anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums seiner «Louise» eine neue Inszenierung durch den französischen Maler Maurice Utrillo vorbereitete, die gut und gern unter dem Motto «1000 Mal berührt, und stets ist etwas passiert» hätte stehen können. Denn...
