Im Schatten des Kastratenkults

Nahuel Di Pierro zeigt, dass Bassisten in der Barockoper zwar wenig zu singen hatten, dafür aber umso Schöneres

Opernwelt - Logo

Tenöre und Bässe hatten in der Barockoper nicht viel zu sagen und meist auch nur wenig zu singen. Die Stars der italienischen Opera seria waren die Kastraten. Sie verkörperten die Helden, Könige und Liebhaber, standen im Zentrum der Handlung wie der Musik, während sich die natürlichen Männerstimmen mit Nebenrollen begnügen mussten: Götter, Väter, Philosophen, Zauberer, Soldaten, denen hin und wieder eine kürzere Arie zufiel. Licht in diese Vernachlässigung, an der sich erst mit dem Ende des Kastratenkults am Ausgang des 18.

Jahrhunderts etwas änderte, bringt jetzt ein Album des argentinischen Bassisten Nahuel Di Pierro, das die Entwicklung über einen Zeitraum von hundert Jahren nachzeichnet. Am Beginn steht mit Seneca in Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» (1642) die erste große Bass -rolle der Operngeschichte, am Schluss eine Arie des Zoroastro aus Händels «Orlando» (1733).

Di Pierro, der sich vor allem als Mozart- und Rossini-Interpret einen Namen gemacht hat, besitzt eine imponierende, sonore, so voluminöse wie farbenreiche, in der Höhe leicht ansprechende Stimme. In der Tiefe erreicht er das große D, Koloraturen bewältigt er mit stupender Eleganz.

Vollauf gerecht wird Di ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2025
Rubrik: Medien, Seite 31
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Es war ein (Alb-)Traum

Die Namen von Robert Fürstenthal und Walter Aptowitzer sind vermutlich nur wenigen Eingeweihten ein Begriff. Beide Komponisten stammten, wenngleich sie unterschiedlichen jüdischen Milieus angehörten, aus Wien; beide mussten 1938, nach dem «Anschluss» Österreichs, ihre Heimat verlassen, um nicht in die Fänge des nationalsozialistischen Terrors zu geraten; und beide...

Liebe lehrt sehen

Der Bühnenbildner, so Hugo von Hofmannsthal in seinem kleinen Essay «Die Bühne als Traumbild», «muss durchs Auge gelebt und gelitten haben. Tausendmal muss er sich geschworen haben, dass das Sichtbare allein existiert, und tausendmal muss er schaudernd sich gefragt haben, ob denn das Sichtbare nicht, vor allen Dingen, nicht existiert.» Jolanthe, die Titel - figur...

Liebe ist nur eine Möglichkeit

Sinnierend sitzt sie am äußersten Bühnenrand und lauscht der traurigen Weise des Englischhorns. Wo wir sind? Im dritten Aufzug von Wagners Weltendrama «Tristan und Isolde». Eigentlich ist dieser Akt auf Isoldes sehnlichst erwartete Ankunft in Tristans Heimat Kareol ausgerichtet. In Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung am Staatstheater Darmstadt aber ist Isolde von...