Im Schatten des Kastratenkults

Nahuel Di Pierro zeigt, dass Bassisten in der Barockoper zwar wenig zu singen hatten, dafür aber umso Schöneres

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Tenöre und Bässe hatten in der Barockoper nicht viel zu sagen und meist auch nur wenig zu singen. Die Stars der italienischen Opera seria waren die Kastraten. Sie verkörperten die Helden, Könige und Liebhaber, standen im Zentrum der Handlung wie der Musik, während sich die natürlichen Männerstimmen mit Nebenrollen begnügen mussten: Götter, Väter, Philosophen, Zauberer, Soldaten, denen hin und wieder eine kürzere Arie zufiel. Licht in diese Vernachlässigung, an der sich erst mit dem Ende des Kastratenkults am Ausgang des 18.

Jahrhunderts etwas änderte, bringt jetzt ein Album des argentinischen Bassisten Nahuel Di Pierro, das die Entwicklung über einen Zeitraum von hundert Jahren nachzeichnet. Am Beginn steht mit Seneca in Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» (1642) die erste große Bass -rolle der Operngeschichte, am Schluss eine Arie des Zoroastro aus Händels «Orlando» (1733).

Di Pierro, der sich vor allem als Mozart- und Rossini-Interpret einen Namen gemacht hat, besitzt eine imponierende, sonore, so voluminöse wie farbenreiche, in der Höhe leicht ansprechende Stimme. In der Tiefe erreicht er das große D, Koloraturen bewältigt er mit stupender Eleganz.

Vollauf gerecht wird Di ...

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Opernwelt April 2025
Rubrik: Medien, Seite 31
von Uwe Schweikert

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