Opferrituale
Bereits im Vorfeld hatte die Münchner «Aida»-Produktion Wellen geschlagen, als Barbara Frittoli die Titelrolle zurückgab – als Grund gab sie an, Probleme mit dem Stil von Neuinszenierungen in Deutschland zu haben. Sie hätte unbesorgt sein können. Christof Nel hat die am Machtkartell von Staat und Kirche zerbrechende Liebe zwischen der äthiopischen Kriegsgefangenen Aida und dem ägyptischen Heerführer Radamès so berührend schlicht und unspektakulär genau erzählt, dass die ungewohnte Geradlinigkeit beim Münchner Premierenpublikum schon wieder heftige Ablehnung hervorrief.
Man hätte dankbar dafür sein müssen, einmal keinen historischen Nachhilfeunterricht erteilt, aber auch keine politisch korrekte Aktualisierung oktroyiert zu bekommen, sondern die Geschichte so zu erleben, wie sie von Verdi gemeint und komponiert ist: als Zusammenprall des individuellen Glücksbegehrens mit der vernichtenden Gewalt gesellschaftlicher Ordnung. Und das ist etwas, was sich überall, auch hier und heute, zutragen kann.
Jens Kilians Szene – hohe, schmucklos nüchterne Mauern, die auf der Drehbühne ständig neue Orte und Räume freigeben – sowie Ilse Welter-Fuchs’ ganz auf den Kontrast von Schwarz und Weiß ...
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