Opferrituale
Bereits im Vorfeld hatte die Münchner «Aida»-Produktion Wellen geschlagen, als Barbara Frittoli die Titelrolle zurückgab – als Grund gab sie an, Probleme mit dem Stil von Neuinszenierungen in Deutschland zu haben. Sie hätte unbesorgt sein können. Christof Nel hat die am Machtkartell von Staat und Kirche zerbrechende Liebe zwischen der äthiopischen Kriegsgefangenen Aida und dem ägyptischen Heerführer Radamès so berührend schlicht und unspektakulär genau erzählt, dass die ungewohnte Geradlinigkeit beim Münchner Premierenpublikum schon wieder heftige Ablehnung hervorrief.
Man hätte dankbar dafür sein müssen, einmal keinen historischen Nachhilfeunterricht erteilt, aber auch keine politisch korrekte Aktualisierung oktroyiert zu bekommen, sondern die Geschichte so zu erleben, wie sie von Verdi gemeint und komponiert ist: als Zusammenprall des individuellen Glücksbegehrens mit der vernichtenden Gewalt gesellschaftlicher Ordnung. Und das ist etwas, was sich überall, auch hier und heute, zutragen kann.
Jens Kilians Szene – hohe, schmucklos nüchterne Mauern, die auf der Drehbühne ständig neue Orte und Räume freigeben – sowie Ilse Welter-Fuchs’ ganz auf den Kontrast von Schwarz und Weiß ...
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Das alte Rigaer Stadttheater steht noch. Hier war Richard Wagner von 1837 bis 1839 Kapellmeister, gastierten Clara Schumann, Liszt, Berlioz und Anton Rubinstein auf der Reise nach St. Petersburg. Der in die engen Häuserzeilen der Altstadt gezwängte Theatersaal stürzte jedoch bei einer «Dame blanche» ein und wurde 1863 durch ein großzügiges neues Haus am Stadtrand...
Wenn die Nachricht stimmt, ist es eine gute: Kirill Petrenko soll den Bayreuther «Ring» zum Jubiläumsjahr 2013 dirigieren. Das sagt mehr, als die beiden Halbschwestern, die die Festspiele in diesem Sommer erstmals leiten, sonst im Moment sagen wollen und können. Es bedeutet nämlich, dass Bayreuth bis 2015 glänzend aufgestellt ist, was die Dirigenten betrifft. Die...
In der letzten Szene von Donizettis «Maria Stuarda» betritt, jedenfalls in Pier Luigi Pizzis Inszenierung, mit dem einleitenden Chor auch der Henker die Bühne. Erst unentschlossen, sucht er seinen Platz und stellt sich, auf sein Beil gestützt, in Positur – ein lebendes Standbild seiner Profession. Er muss sich allerdings in Geduld üben, denn der Chor lässt sich...
