Glotzt nicht so romantisch
«Der junge Lord», das Produkt engster und einvernehmlichster Zusammenarbeit des Komponisten Hans Werner Henze und der Dichterin Ingeborg Bachmann, ist ein vertracktes Stück: Es bietet eine gut geölte Komödienmaschinerie mit scharf umrissenen Typen und eine effektvolle, raffiniert instrumentierte Musik, die als moderne Reinterpretation klassischer Topoi der komischen Oper daherkommt, Ausflüge in die Tonalität und augenzwinkernde (Beinahe-)Zitate eingeschlossen.
Doch diese nur scheinbar «liebenswürdige» Außenseite verbirgt Abgründe: Die biedermeierliche Gesellschaft, die einem Betrüger auf den Leim geht, der ihr einen dressierten Affen als exzentrischen Jung-Adligen verkauft – sie wird zwar in ihrer Borniertheit entlarvt, in ihrem Lebenshunger aber auch ganz ernst genommen. Die Not der Nachkriegsjahre hat hier ihre Spuren hinterlassen: Die endemische Sehnsucht nach ein bisschen Glanz und Farbe im tristen Leben hatten Henze und Bachmann schließlich selbst erlebt, und beide waren vor der erstickenden Konventionalität des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland nach Italien geflohen. Unterdessen schickte sich die Kulturindustrie an, alle denkbaren Bedürfnisse mit Surrogaten zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Krisenstimmung bei den Berliner Philharmonikern: Da bieten die Musiker und ihr Chefdirigent Simon Rattle im Stammhaus ein «Best of» aus Richard Wagners «Götterdämmerung» an – und eine Woche vor dem Konzert sind erst 80 Prozent der Tickets verkauft! Wo sich andere Orchester entspannt zurücklehnen, beginnen die Philharmoniker zu grübeln. Wie erklärt sich die...
Die bislang zum Jubiläumsjahr erschienene Händel-Literatur war von einem eklatanten Missverhältnis gekennzeichnet: Während eine ganze Schar von Autoren sich mit der mehr oder weniger blumigen Nacherzählung von Händels Leben beschäftigte, fehlte bislang ein Werk, das den akkumulierten Kenntnisstand von Händelforschung und -aufführungspraxis nutzt, um auch einem...
Frau Silja, in unserem letzten «Opernwelt»-Gespräch, das 1994 erschien, sagten Sie, es reize Sie auf der Bühne nur noch das «Unmachbare». Was ist das konkret?
Das «Unmachbare» ist nicht erklärbar, ebenso wenig wie die großen Gefühle. Sie trotzdem ohne falsches Pathos umzusetzen, ist für mich das Faszinierende der Oper.
Sie haben sich vor einigen Jahren taufen...
