Glotzt nicht so romantisch
«Der junge Lord», das Produkt engster und einvernehmlichster Zusammenarbeit des Komponisten Hans Werner Henze und der Dichterin Ingeborg Bachmann, ist ein vertracktes Stück: Es bietet eine gut geölte Komödienmaschinerie mit scharf umrissenen Typen und eine effektvolle, raffiniert instrumentierte Musik, die als moderne Reinterpretation klassischer Topoi der komischen Oper daherkommt, Ausflüge in die Tonalität und augenzwinkernde (Beinahe-)Zitate eingeschlossen.
Doch diese nur scheinbar «liebenswürdige» Außenseite verbirgt Abgründe: Die biedermeierliche Gesellschaft, die einem Betrüger auf den Leim geht, der ihr einen dressierten Affen als exzentrischen Jung-Adligen verkauft – sie wird zwar in ihrer Borniertheit entlarvt, in ihrem Lebenshunger aber auch ganz ernst genommen. Die Not der Nachkriegsjahre hat hier ihre Spuren hinterlassen: Die endemische Sehnsucht nach ein bisschen Glanz und Farbe im tristen Leben hatten Henze und Bachmann schließlich selbst erlebt, und beide waren vor der erstickenden Konventionalität des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland nach Italien geflohen. Unterdessen schickte sich die Kulturindustrie an, alle denkbaren Bedürfnisse mit Surrogaten zu ...
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Das alte Rigaer Stadttheater steht noch. Hier war Richard Wagner von 1837 bis 1839 Kapellmeister, gastierten Clara Schumann, Liszt, Berlioz und Anton Rubinstein auf der Reise nach St. Petersburg. Der in die engen Häuserzeilen der Altstadt gezwängte Theatersaal stürzte jedoch bei einer «Dame blanche» ein und wurde 1863 durch ein großzügiges neues Haus am Stadtrand...
Der Schluss von Mozarts «Idomeneo» ist eine Herausforderung: Was tun mit einer Musik, die einfach weiterspielt, obwohl das Lieto fine längst erreicht ist? Dass die Ballettmusik, die bei der Münchner Uraufführung 1781 vom Fest auf der Bühne zum anschließenden Fest im Saal überleiteten sollte, weit mehr sein kann als ein bloßer Wurmfortsatz, weiß man spätestens seit...
In der letzten Szene von Donizettis «Maria Stuarda» betritt, jedenfalls in Pier Luigi Pizzis Inszenierung, mit dem einleitenden Chor auch der Henker die Bühne. Erst unentschlossen, sucht er seinen Platz und stellt sich, auf sein Beil gestützt, in Positur – ein lebendes Standbild seiner Profession. Er muss sich allerdings in Geduld üben, denn der Chor lässt sich...
