Opernsprengmeister a. D.

Pierre Boulez wird 80 Jahre alt

Opernwelt - Logo

Zur Feier des 80. Geburtstages von Pierre Boulez ist es ein Vergnügen, den «Spiegel» von 1967 (Nr. 40, 25. September) herauszusuchen. Schließlich ging dessen legendärer – einer redaktionellen Überspitzung entsprungener – Interview-Titel «Sprengt die Opernhäuser in die Luft!» in die Musikgeschichte ein. Was Boulez da sagte, ist nicht nur sehr unterhaltsam («Henze ist wie de Gaulle, er kann jeden Mist machen, er glaubt, daß er immer König ist»), sondern hat auch an prinzipieller Stichhaltigkeit nichts eingebüßt.


Der französische Komponist und Dirigent beklagte sich dort während Bayreu­ther «Parsifal»-Proben über den modern getarnten Konservatismus des Opernbetriebs, den er Komponisten (Henze), Intendanten (Liebermann) und Regisseuren (Zeffirelli) vorwarf. Doch neben dem Hinweis, dass sich hier «die chinesischen Rotgardisten nach Herzenslust austoben» könnten, vergaß er auch konstruktive Anregungen nicht. Viele seiner unerbittlichen Forderungen sind inzwischen Gemeingut geworden – etwa eine Entstaubung des klassischen Repertoires oder das Experimentieren neuer Formen auf speziellen Bühnen. Jüngere Werke von Eötvös, Lachenmann oder Neuwirth dürften Boulez’ kompositorischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Magazin, Seite 20
von Olaf Wilhelmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schmackhafte Pastetchen

Nino Rota (1911-1979) war ­einer der fruchtbarsten und erfolgreichsten Filmkomponis­ten seiner Zeit. Seine Musik für zahlreiche Filme von Fellini, Visconti, Zeffirelli, Clement sowie für Coppolas «Der Pate» kann gro­ßenteils auch außerhalb der Leinwand bestehen. Doch daneben hat der Schüler von Pizzetti und Casella auch etliche Sympho­nien, Konzerte und Opern...

Oper contra Film

Joseph Merrick, den Elefantenmenschen, hat es gegen Ende des 19. Jahrhunderts wirklich gegeben. Er litt an einer genetisch bedingten Nervenkrankheit, die sein Äußeres derartig entstellte, dass er seinen Le­bens­unterhalt in den seinerzeit sehr popu­lären Freakshows verdienen musste. Mit siebenundzwanzig Jahren ist er, wahrscheinlich aus freien Stü­cken, gestorben....

Missbildung als Logo

Wo beim jüngsten Auftragswerk der Vlaamse Opera «Richard III» draufsteht, da ist tatsächlich auch «Richard III» drin. Librettist Ian Burton hat eindeutig und wiedererkennbar an Shakespeare entlang verdichtet. Bis hin zum finalen Stoßseufzer nach dem Pferd, das Richard am Ende seiner Karriere gegen sein Königreich eintauschen will. Giorgio Battistellis Musik, die...