Monteverdis musikalische Grammatik
Das Opernhaus in Lyon verfügt, wie andere Häuser auch, über eine jener segensreichen Einrichtungen, die angehenden Sängern Gelegenheit geben, das Repertoire zu lernen und in kleinen Rollen erste Schritte auf der Bühne zu tun. Erstmals hat nun Intendant Serge Dorny eine komplette Neuproduktion von der ersten bis zur letzten Partie nur mit Nachwuchs aus dem «Nouveau Studio de l’Opéra de Lyon» besetzt. Ein Wagnis, für das Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» nicht schlecht geeignet ist.
Das Stück stellt sängerisch überwindbare, stilistisch freilich erhebliche Ansprüche an die Ausführenden, und es hält gleich fünfzehn (Haupt-)Partien bereit, die alle je eigene Glanzpunkte haben. Noch die Nebenrollen bieten Stoff genug, aus dem sich Funken schlagen lassen – etwa in den komischen Partien der alten Schachteln, die als Ammen der künftigen (Poppea) und der noch amtierenden Königin (Octavia) deren «Stutenbeißen» nach Buffo-Art karikieren, wofür Tenor Marc Molomot, der die Arnalta schon einmal in Vancouver gesungen hatte, bei der Premiere spontan Szenenapplaus erntet.
Damit nun aber die Jugend in ihrem schönen Überschwang nicht allzu dick aufträgt oder gar ins Schülertheaterhafte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Chemnitzer Oper schreckt die Nähe zur Strauss-Hochburg Dresden offenbar nicht wirklich. Nach der Wagner-Herausforderung riskiert man auch die mit Richard Strauss. Dass «Arabella» alles andere als eine angekitschte Katastrophe wurde, liegt vor allem an der Robert Schumann Philharmonie. Deren Chef Niksa Bareza weiß klug zu dosieren, versteht sich aufs...
Und das soll er also sein – einer der «wenigen deutschen Weltstars des Films», wie ihn die Deutsche Oper Berlin ankündigt. Der Herr, der uns gegenüber sitzt, ist ein freundlicher Mittsechziger, den man als unauffällig bezeichnen würde, hätte man ihn nicht schon so oft über rote Teppiche schreiten oder im Bildteil von Schriftsteller-Biografien auftauchen sehen. Ja,...
Joseph Merrick, den Elefantenmenschen, hat es gegen Ende des 19. Jahrhunderts wirklich gegeben. Er litt an einer genetisch bedingten Nervenkrankheit, die sein Äußeres derartig entstellte, dass er seinen Lebensunterhalt in den seinerzeit sehr populären Freakshows verdienen musste. Mit siebenundzwanzig Jahren ist er, wahrscheinlich aus freien Stücken, gestorben....
