Mozart: Die Hochzeit des Figaro
Spätestens nach der spektakulären «Entführung» des Katalanen Calixto Bieito dürfte jedermann klar sein, worum es im Mozart-Zyklus von Berlins Komischer Oper geht: Der unauflösliche Gegensatz zwischen triebhaftem Sex und hehrem Gefühl ist das Leitmotiv, das sowohl Bieito wie auch Konwitschny in seinem «Don Giovanni» in ihren Inszenierungen herausgestellt hatten.
Auch beim «Figaro» des Australiers Barrie Kosky sind es die fleischlichen Begierden des gräflichen Oberrammlers, die hier zwar nicht die gesellschaftliche Ordnung, aber doch die geregelte Welt der Paarbeziehungen stören. Dass es im «Figaro» hauptsächlich um Sex geht, weiß die Welt nach zahllosen frech-frivolen Stadttheater-Inszenierungen freilich schon lange. Weit interessanter (und im Zusammenhang des Zyklus konsequenter) wäre es da gewesen, einmal wirklich zu fragen, ob Mozart nicht am Ende doch mit der Libertinage des Grafen und Cherubinos sympathisiert und ob das Zweisamkeitsideal von Gräfin, Susanna und Figaro nicht die tristere Alternative ist. Doch so viel Tiefsinn ist Koskys Sache nicht. Sein «Figaro» bleibt Boulevardkomödie, dreieinhalb Stunden mehr oder weniger «turbulente» Oberflächenhandlung, ...
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Musikalisch ist dieser «Eugen Onegin» top. Roman Kofman hält sein Beethoven Orchester zu koloristischer Detailgenauigkeit an, der leicht dunkel getönte Sopran der 29-jährigen, ihr West-Debüt absolvierenden Irina Oknina gibt Tatjana reizvollen Umriss, Peter Danailov (Onegin) zeigt nach betont maskulinen Verdi-Partien überraschend weiche Facetten in Gesang und...
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Eigentlich ist es immer schade, wenn solch grandiose Musik ungehört bleibt. Wenn der magische Moment zwischen Kerker und dem Schlussakt der Freiheit ohne dieses rhapsodische Phantasiestück, das Ernst Bloch als eine utopische Erinnerung, eine Legende der erfüllten Hoffnung bezeichnete, auskommen muss; wenn Mahlers Eingebung, die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 in C-Dur in...
