Mozart: Die Hochzeit des Figaro

Berlin, Komische Oper

Opernwelt - Logo

Spätestens nach der spektakulären «Entführung» des Katalanen Calixto Bieito dürfte jedermann klar sein, worum es im Mozart-Zyklus von Berlins Komischer Oper geht: Der unauflösliche Gegensatz zwischen triebhaftem Sex und hehrem Gefühl ist das Leitmotiv, das sowohl Bieito wie auch Konwitschny in seinem «Don Giovanni» in ihren Inszenierungen he­raus­gestellt hatten.

Auch beim «Figaro» des Australiers Barrie Kosky sind es die fleischlichen Begierden des gräf­lichen Oberrammlers, die hier zwar nicht die gesellschaftliche Ordnung, aber doch die geregelte Welt der Paarbe­ziehungen stören. Dass es im «Figaro» hauptsächlich um Sex geht, weiß die Welt nach zahllosen frech-frivolen Stadttheater-­­In­szenierungen freilich schon lange. Weit interessanter (und im Zusammenhang des Zyklus konsequenter) wäre es da gewesen, einmal wirklich zu fragen, ob Mozart nicht am Ende doch mit der Libertinage des Grafen und Cherubinos sympathisiert und ob das Zweisamkeits­ideal von Gräfin, Susanna und Figaro nicht die tristere Alternative ist. Doch so viel Tiefsinn ist Koskys Sache nicht. Sein «Figaro» bleibt Boulevardkomödie, dreieinhalb Stunden mehr oder weniger «tur­bulente» Oberflä­chen­handlung, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 47
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeh

Eine Kneipe in Hannovers Südstadt. Tommi und Micha trinken Bier und reden. «Warum soll ich meine Autobiografie schreiben?», fragt Tommi. Micha, der große Bruder, weiß es: «Super Story, alles drin: schwere Kindheit, Kampf gegen die Krake Bürokratie, Drama, Liebe, Wahnsinn. Am Ende Triumph in Amerika.» Tommi ist skeptisch. Micha lässt nicht locker. «Dann schreib du...

Das Mädchen aus dem goldenen Westen

Daniel Barenboim ist an allem schuld. Der Maestro höchstselbst hat damals die Filmregisseurin angerufen – nachdem ihm jemand ein Video ihrer Komödie «Männer» zugespielt hatte – und sie rundheraus gefragt, ob sie nicht bei ihm an der Berliner Staatsoper Unter den Linden Mozarts «Così fan tutte» inszenieren wolle. Ganze zweimal war Doris Dörrie davor in der Oper...

Zeitreise in die sardischee Antike

Wie sich die Zeiten geändert haben! Heutzutage geben viel versprechende junge Komponisten das Notenschreiben auf. Und werden Dirigenten, wie Giuseppe Sinopoli. Vor hundert Jahren ging das rumänische Geigenwunderkind ­George Enescu den umgekehrten Weg. 1893, mit zwölf, macht er in Wien sein Diplom und beginnt dann in Paris auch Komposition zu studieren, zuerst bei...