Opera rara
Sie war das, was man gemeinhin eine schillernde, im wahrsten physiognomischen Sinne imposante Gestalt nennt: Caterina Cornaro, Kunstmäzenin, Intellektuelle, Humanistin und – notgedrungen, zunächst als Gattin Jakob II. von Lusignan und danach als dessen Witwe – letzte Königin von Zypern.
Vita und Werk dieser außergewöhnlichen Renaissance-Herrscherin, die 1454, als Ururenkelin eines venezianischen Dogen, dortselbst geboren wurde und 1510 starb, inspirierte Künstler verschiedenster Disziplinen: Tizian, Giorgione, Bellini und Veronese malten sie, der schriftstellerisch begabte Kardinal Pietro Bembo, ein Vetter Catarinas, huldigte ihr in einem Buch über die Liebe («Gli asolani»), und auch einige Opernkomponisten ließen es sich nicht nehmen, ihr romantaugliches Leben klangvoll zu illustrieren. Franz Lachners «Katharina Kornaro» von 1841 ist jedoch ebenso in Vergessenheit geraten wie Jacques Fromental Halévys im selben Jahr vollendete «La Reine de Chypre» und Michael William Balfes «The daughter of St Mark» (1844). Mag es dafür musikalisch-dramaturgische Gründe geben, so ist es kaum zu verstehen, dass Donizettis Musikdrama «Caterina Cornaro» das gleiche Schicksal erlitt. Ein Meisterwerk ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Jürgen Otten
Ein Blick in den Werkkatalog Jean-Philippe Rameaus zeigt die enorme Vielfalt seiner Arbeiten für das Musiktheater. Neben abendfüllenden Tragédies en musique, Balletten, Divertissements und Pastoralen stehen mehrere Einakter unterschiedlichster Art. Das bekannteste und schon zu Lebzeiten des Komponisten erfolgreichste Werk dieser Art ist der Acte de ballet «Pygmalio...
Blutjung
Ein genialer Kopf, dem nur wenig Lebenszeit vergönnt war: der Dirigent und Komponist Peter Ronnefeld. 1965 starb er mit 30 Jahren, gerade Generalmusikdirektor in Kiel, ein Mann für kommende, große Aufgaben. Die Oper Bonn, wo er 1961 Chefdirigent wurde, macht sich nun um den vom Vergessen bedrohten Künstler verdient und setzt sein Bühnenwerk «Die Ameise»...
Ambroise Thomas (1811–1896) hielt es mit der Weltliteratur. Seine beiden einstigen Erfolgsopern «Mignon» (1866) und «Hamlet» (1868), denen man inzwischen auf der Bühne kaum mehr begegnet, wagten sich an Goethe und Shakespeare. Aber bereits für die 1857 an der Pariser Opéra-Comique uraufgeführte «Psyché» plünderten die Librettisten Jules Barbier und Michel Carré das...
