Oper mit Variationen
Joseph Haydn hat in den 1770er und 80er Jahren als Opernkapellmeister in Eszterháza nicht nur zahlreiche Einlage-Arien zu fremden Werken komponiert, er hat die Partituren auch den Fähigkeiten seiner Sänger und den Möglichkeiten des örtlichen Orchesters angepasst. Mit solchen Bearbeitungen beschäftigt sich ein Forschungsprojekt des Joseph Haydn-Institus Köln und der Würzburger Musikwissenschaft. Unter anderem soll dabei Haydns Vorgehen zur Praxis der Zeitgenossen in Beziehung gesetzt werden, denn im 18.
Jahrhundert gilt die Musik (wie der Text) einer Oper nicht als unantastbares «Werk» eines genialen Künstlers, sondern als eine Art Baukasten, aus dem sich die Ausführenden bei jeder Neueinstudierung das Material für «ihre» Oper holen. Dabei werden Arien nach den Wünschen der Sänger ersetzt oder neu eingeführt, die Zahl der Rollen wird reduziert oder vermehrt, Einakter werden zu abendfüllenden Werken ausgeweitet (oder Mehrakter zusammengestrichen) und vieles mehr.
In Zusammenhang mit dem Haydn-Forschungsprojekt stand auch eine Würzburger Tagung zur «Bearbeitungspraxis der Oper des späten 18. Jahrhunderts». Nach Grundsatzreferaten aus Musik- und Literaturwissenschaft standen ...
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