Omelette? Um Gottes willen, nein!
Zu Beginn trollt sich einer über eine hohe Treppe in den Orkus. Unvermittelt denkt man an den lokalen Heros der unterirdischen Kanalwelt, den Dritten Mann. Doch das hier ist nicht Harry Lime, und es sind auch nicht Anton Karas’ Zitherklänge, die wir hören. Sondern Streicherflirren, Hörner, ein markantes Posaunensolo und wenig später einen prächtigen Chor, der «den Lichterglanz des dekolletierten Second empire» (Oskar Bie) atmet.
Freilich, solchen Pomp wollte Regisseur Olivier Py in seiner Inszenierung von Ambroise Thomas’ «Hamlet» optisch eben nicht verdoppeln, weswegen er seinen Ausstatter Pierre-André Weitz Piranesi-hafte Katakomben und Stiegen auf die Bühne des Theaters an der Wien wuchten ließ. Außenraum als Innenraum, dunkle Kammern der Seelenqual. Denn der Mann auf der Treppe ist Hamlet (in Gestalt des großartigen Stéphane Degout); mit einem Messer ritzt er sich beim Abwärtsschreiten blutige Streifen in den nackten Oberkörper. «Je suis le roi de mes douleurs», verkündet dazu ein Graffito rechts vorne an einem Pfeiler.
König seiner Schmerzen war Thomas’ «Hamlet», uraufgeführt 1868 in Paris, schon seit je. Frankreichs Shakespeare-Liebhaber verballhornten den Titelhelden ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Gerhard Persché
Es ist ein ganz seltsames Stück. Einerseits politische Oper, andererseits humorvoller Kommentar eines bedeutenden historischen Ereignisses. Ernst gemeintes Pathos wechselt mit luziden Passagen. Dazu kommt ein redundanter Tonsatz mit großflächigen, repetitiven Mosaiken und darin eingesponnenen, vorwiegend feinen Kantilenen. Stofflicher Dreh- und Angelpunkt des...
Das Buch ist ein Welterfolg. Gerade 31 Jahre alt, veröffentlichte die finnische Autorin Sofi Oksanen 2008 ihren Roman «Puhdistus», zu Deutsch «Fegefeuer». Mittlerweile ist er in 43 Sprachen übersetzt. In ihrem Heimatland hat er alle wichtigen Literaturpreise gewonnen, in den skandinavischen Ländern und Frankreich wurde er mehrfach ausgezeichnet, auch in Deutschland...
Gleich zu Beginn glitzern Silber-Pennies bei den quicken Streichern: Das reiche Erbe des alten Admirals Morosus liegt in Chemnitz tatsächlich «im Keller», nämlich im Orchestergraben. Was Generalmusikdirektor Frank Beermann der Robert-Schumann-Philharmonie während der vorletzten Premiere der Spielzeit an verschmitztem Spielwitz entlockte, brachte das Publikum zum...
