Metamorphosen
Schwer zu sagen, was hinter den Türen geschieht. Das alte Adelsgeschlecht, so lässt es uns Edgar Allan Poe in seiner Erzählung wissen, hat sich seit Langem abgeschottet von der Außenwelt. Erst als der Regisseur das Licht dimmt und eine Stimme aus einem Brief Rodericks zitiert, fühlt sich auch das Publikum eingeladen, dem «Untergang des Hauses Usher» beizuwohnen. Klamm wirkt das Innere des Kammertheaters. Dichte Nebelschwaden ziehen durch den düsteren Raum, die sich nur nach und nach etwas lichten.
Als Erstes wird auf der Bühne ein gewaltiger Stein sichtbar, der wie ein Perpendikel hin- und herschwingt. Gependelt wird überhaupt viel, und lange Zeit bleibt das die einzige Bewegung, die sich der Arzt und William gestatten. Reglos dagegen die beiden Kinder, die leichenblass in einem der vielen Käfige liegen, mit denen Pascale Arndtz die Szene bestückt. Wie erstarrt Roderick, der sich hoch oben an ein Gitter krallt. Ganz und gar tot dagegen die geschwänzten Föten in den Formalin-Gläsern, die dem Ganzen etwas Gespenstisches, um nicht zu sagen: etwas Pathologisches geben.
In seiner ersten Operninszenierung orientiert sich Jo Fabian ganz an der Musik von Philip Glass, ohne das literarische ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Hartmut Regitz
Drei DVD-Produktionen von Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» sind jetzt fast gleichzeitig auf den Markt gekommen – ein Beweis dafür, welchen Stellenwert diese frühe Oper seit Harnoncourts und Ponnelles Zürcher Pioniertat im Repertoire der großen internationalen Opernhäuser mittlerweile einnimmt.
Bereits 1997 brachte David Alden seine Inszenierung bei den...
Der GMD, unser Mann fürs Grobe? Zweieinhalb Jahre nach dem Antritt Donald Runnicles’ an der Deutschen Oper hat man den schottischen Dirigenten als zupackenden, abgestandene Stücke aufrüttelnden Matador und Motivator seines Hauses schätzen gelernt. Andererseits beginnt man sich (nicht erst) angesichts der jüngsten Berliner «Lohengrin»-Premiere vor dem leicht...
Oper – ein elitäres Unternehmen? Aber, nein! Den Beweis trat jetzt das Theater Bremen an mit der Uraufführung des Auftragswerkes «All diese Tage», einer «Zeitoper» von Moritz Eggert. In dem Stück geht es um Alltagsgeschichten. Die Librettistin Andrea Heuser hat sie aus Gesprächen herausdestilliert, die sie mit Bremer Jugendlichen führte – um mehr zu erfahren über...
