Metamorphosen
Schwer zu sagen, was hinter den Türen geschieht. Das alte Adelsgeschlecht, so lässt es uns Edgar Allan Poe in seiner Erzählung wissen, hat sich seit Langem abgeschottet von der Außenwelt. Erst als der Regisseur das Licht dimmt und eine Stimme aus einem Brief Rodericks zitiert, fühlt sich auch das Publikum eingeladen, dem «Untergang des Hauses Usher» beizuwohnen. Klamm wirkt das Innere des Kammertheaters. Dichte Nebelschwaden ziehen durch den düsteren Raum, die sich nur nach und nach etwas lichten.
Als Erstes wird auf der Bühne ein gewaltiger Stein sichtbar, der wie ein Perpendikel hin- und herschwingt. Gependelt wird überhaupt viel, und lange Zeit bleibt das die einzige Bewegung, die sich der Arzt und William gestatten. Reglos dagegen die beiden Kinder, die leichenblass in einem der vielen Käfige liegen, mit denen Pascale Arndtz die Szene bestückt. Wie erstarrt Roderick, der sich hoch oben an ein Gitter krallt. Ganz und gar tot dagegen die geschwänzten Föten in den Formalin-Gläsern, die dem Ganzen etwas Gespenstisches, um nicht zu sagen: etwas Pathologisches geben.
In seiner ersten Operninszenierung orientiert sich Jo Fabian ganz an der Musik von Philip Glass, ohne das literarische ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Hartmut Regitz
Mariss Jansons wuchs zwar in der Oper von Riga auf, wo sein Vater dirigierte und seine Mutter die Carmen sang, aber seit er ein Weltstar ist, steigt er nur noch selten irgendwo in den Orchestergraben. Zu lange Probenzeiten, das Herz, fremde Orchester... Wenn es doch klappt, dann meist in Amsterdam. Dort hat die Oper kein eigenes Orchester, und der Maestro kann sein...
«Der Türke in Italien» – der Titel führt ein wenig in die Irre. Denn die Fremdheit des Protagonisten ist reine Behauptung und findet nicht einmal musikalischen Niederschlag. Dieser Selim ist eigentlich ein unbeschriebenes Blatt: die ideale Projektionsfläche für Wünsche und Fantasien. Regisseur David Hermann zieht daraus einen naheliegenden und doch verblüffenden...
Bei den Bayreuther Festspielen hat Christoph Schlingensief 2004 die Optik revolutioniert. Weil er sich nicht bemühte, den «Parsifal» irgendwie neu oder originell zu deuten. Weil er auf alle herme-neutischen Umarmungen des «Bühnenweihfestspiels» pfiff. Weil seine Bühnenräume zum großen und entscheidenden Teil virtuell waren. Weil er nicht eine vorgegebene Geschichte...
