Ohren putzen

Nikolaus Harnoncourt dirigiert die drei Mozart-da-Ponte-Opern am Theater an der Wien

Opernwelt - Logo

Der Lustschrei aus dem Auditorium gleich nach dem letzten Akkord des «Don Giovanni» erinnert an die Zuschauer-Hysterie zu Zeiten Karajans, und obwohl Nikolaus Harnoncourt einmal als «Un-Karajan» bezeichnet wurde, scheint vieles nicht unähnlich: ekstatische Publikumsreaktionen, der Medien-Hype und die -Verwertung. Als Ersatz für die wegen des unpässlichen Regisseurs (Martin Kusej) ausgefallene «Così-fan-tutte»-Neuinszenierung brachte das Theater an der Wien im März an sechs Spieltagen alle drei da-Ponte-Opern mit Nikolaus Harnoncourt und dem Concentus Musicus. Konzertant.

Freilich, auf die reine Hörbühne wollte man dann nicht und bot eine halbszenische Version, die ein wenig nach Schülertheater roch.

Egal. Das Publikum kam ohnehin, um zu hören, welche Funken Altmeister Harnoncourt aus «Le nozze di Figaro», «Don Giovanni» und «Così fan tutte», treue Weggefährten seines akribischen Wirkens seit dem Zürcher Mozart-Zyklus in den 1980er-Jahren, schlagen würde. Man wurde nicht enttäuscht, der Maestro suchte den Leuten mit ­einer kontrastreichen, vielfältig nuancierten Interpretation und manchem völlig neu ausgehörten Detail frische Mozart-Ohren zu verpassen. Viele Rubati und Generalpausen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Sinn für lakonische Komik

Boris Blacher (1903-1975) sorgte mit seiner «Abstrakten Oper Nr. 1» für den größten Opernskandal im Nachkriegsdeutschland (Mannheim 1953). Es war eine Diskussion, die um weit mehr kreiste als nur eine mehr oder weniger gelungene Novität des musikalischen Theaters. Es ging um das Verhältnis von Abstraktem und Gegenständlichkeit in der Kunst, ja um deren...

Die Stachlige

Její pastorkyňa, «Ihre Ziehtochter», hieß das Stück bei Gabriela Preissová, und auch Leos Janácek nannte seine danach gefertigte Oper erst mal so. Was die Verhältnisse zurechtrückt. Denn «sie», die bigotte Küsterin Burya, Mörderin des unehelichen Kindes ihrer Ziehtocher Jenufa, ist die eigentliche Hauptfigur des Dramas. Und Iris Vermillion macht sie denn auch zum...

Intervention des Gegenwärtigen

Festspiele sollen etwas Einmaliges, Außergewöhnliches, Nicht-Alltägliches sein. Ist dies in einer von den Medien beherrschten Zeit überhaupt noch möglich?
In Wien entsteht jedes Jahr ein im Kleid von Festwochen sich darstellendes Konstrukt aus Veranstaltungen – Theater, Oper, Konzert, Performance, Bildende Kunst –, die einem bestimmten Gedanken folgen. Wenn Sie so...