Revue für einen Verfemten
Das Jahr 1933 brachte für viele in Deutschland die Katastrophe: Entweder waren sie jüdischer Herkunft oder aber «links» orientiert – am fatalsten wirkte sich aus, wenn beides zusammenkam. Dabei waren die Konnotationen keineswegs einheitlich. Es gab weitgehend assimilierte Juden, zum Teil areligiös – und bisweilen sogar «deutsch» bis zum Nationalen hin. Dann wiederum Gewerkschaftler und KP-Mitglieder, die mit jüdischen Genossen wenig Berührungspunkte hatten, als klassenbewusste Arbeiter auf Distanz zu Intellektuellen achteten.
Hinzu kamen gar nicht so wenige Konvertiten, nicht zuletzt zum Katholizismus. Aber auch die Künstler waren alles andere als einhellig in ihren Bestrebungen: Man denke an den kompositorisch revolutionären, politisch hingegen konservativen Schönberg, die Musiker der «Neuen Sachlichkeit» (Paul Hindemith, Ernst Krenek), den mit seinem Lehrer Schönberg brechenden «Kampflied»-Komponisten Hanns Eisler ebenso wie die Operetten- und Revue-Stars, nicht zuletzt die Exponenten des «Neger-Jazz».
Doch selbst diese Skizze trifft die komplex widersprüchliche Situation ab 1933 nur unvollkommen. Musik und Politik blieben eng verzahnt. Ausgerechnet Hindemith und Krenek, deren ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Gerhard R. Koch
Welche Brünnhilde ist am schwersten zu singen?
Für mich die der «Walküre», weil sie sehr tief liegt. Ich mache immer drei Kreuze, wenn’s vorbei ist. Die «Siegfried»-Brünnhilde singt sich dagegen wie nix. Und bei «Götterdämmerung» hat man vom Spiel her einen anderen Zugriff. Bei der «Walküre» hat meine Lehrerin Ingrid Bjoner immer gesagt: «Ach Gott, diese...
Wer sich selbst sehen will, braucht einen Spiegel. In der Oper war die Historisierung schon früh ein Mittel, die eigene Gegenwart in den Blick zu bekommen. Geschichtliche Distanz spornt an zur Selbstdeutung – als Eigenleistung des Zuschauers, nicht als Diktat des Autors. Darin lag der Sinn von Stoffen aus fernen Ländern und Zeiten. Der Theologe und Dichter...
Die Veröffentlichung der CD-Einspielung von Leonardo Vincis «Artaserse» war ein großer Erfolg (vgl. OW 12/2012). Der Jubel setzte sich fort, als das Werk in der Inszenierung des rumänischen Regisseurs Silviu Purcarete auch auf die Bühne kam (vgl. ebenda) – unter anderem an der Opéra national de Lorraine in Nancy, wo der Mitschnitt entstand, der jetzt auf DVD...
