Ohne dramatischen Fluss

Köln | Verdi: Rigoletto

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Katharina Thalbach, so scheint es, hat an der Kölner Oper ein Regie-Abo. Doch wer nach ihrer aufmüpfig-gewitzten «Salome» mehr an bösen Rollenspielen oder agilem Polittheater erwartete, wurde enttäuscht: Die Uraufführung von Torsten Raschs Opernerstling «Rotter» über einen glitschigen Opportunisten war ein Flop auf allen Ebenen, Janáceks «Jenufa» blieb bis auf eine schöne Schluss-Apotheose szenisch durchwachsen. Der eherne Antikapitalismus-Klassiker «Mahagonny» soll in Thalbachs Lesart mehr nach ranzigem Brecht-Museum als nach Bordell geschmeckt haben.

Vielleicht hat ihr der Kölner Intendant Uwe Eric Laufenberg deshalb jetzt ein Meisterwerk an inhaltlicher Schärfe und dramaturgischer Genialität angeboten, bei dem eigentlich nichts passieren konnte: Verdis «Rigoletto».

Das aber darf man nun unfreiwillig wörtlich nehmen. Zumindest zwischen den Personen passiert über das gegenseitige Ansingen und die schon überwunden geglaubte Chargen-Mimik hinaus – nichts. Die Orgien beim Herzog mit Cancan-Ballett und (Achtung: Dekadenz!) herbeigerolltem Riesenpenis bleiben weit hinter den erotischen Vergnügungen heutiger Finanzpolitiker zurück. Die Hofschranzen wirken mit ihren Tiermasken nicht ...

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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Michael Struck-Schloen

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