O Weh!
Eine Geschichte von alter Schuld ist es, die Calixto Bieito erzählen will, eine Schuld, die sich an den kommenden Generationen rächt. Als Vorlage wählt er dafür Gustav Mahlers Opus «Das klagende Lied» in der dreiteiligen Urfassung, ein Märchen mit Brudermord, mystisch-musikalischer Anklage aus dem Jenseits und schauerlichem Showdown, sowie die beklemmenden «Kindertotenlieder»: Das sollte die Tonspur zu einem packenden Musiktheaterabend unter dem Titel «Von der Liebe Tod» ergeben. Sollte.
Warum das Vorhaben gescheitert ist, mit dem Direktor Bogdan Roščić an der Wiener Staatsoper das 125-jährige Jubiläum des Dienstantritts seines großen Vorgängers feiern wollte? In keinem Moment kann sich die Verbindung von Szene und Musik zu einer höheren, gegenseitig verstärkenden Wirkung aufschwingen. Und das liegt nur zum Teil daran, dass in der Märchenkantate die Soloparts keine Charaktere darstellen, sondern zusammen mit dem Chor die Geschehnisse referieren. Im Gegenteil, die Aufführung des Jugendwerks, in dem schon ein Gutteil von Mahlers Kosmos klar zutage tritt, gehört zu den Meriten des Abends: Das «Klagende Lied» muss kennen, wer Mahler von Grund auf erfassen möchte.
Beklagenswert ist ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Walter Weidringer
Man benötige einen Wasserfall, vier Feuerräder, zwölf galoppierende Pferde, lebende Hirsche […] und […] eine unschuldige Verlobte …». Aber eben daran scheitere «jede Inszenierung», urteilte einst der große Humorist und Opernkenner Loriot über Schwierigkeiten der Realisation von Carl Maria von Webers «Freischütz». Gleichviel: Welcher Regisseur hat sich in den...
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch im Kulturbetrieb, der ja ohnehin federführend für das Fach «Glaube, Liebe, Utopien» zuständig ist. Und wohl nur so kann man jene Äußerungen verstehen, die Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), unlängst in einem Gespräch mit dem Magazin «concerti» von sich gab: An den Auslastungszahlen...
Ein «Sorgenkind» war «Fidelio» nicht nur für den Komponisten selbst. Auch die Nachwelt, vor allem die inszenierende, hat sich an diesem Stück die Zähne ausgebissen, insbesondere an der schier unauflösbaren Dichotomie aus (heiter-hellem) Singspiel und (dämonisch-dunklem) Drama. Zu wenig bewältigt schien die formale Frage, zu groß der Unterschied der «Strömungen», um...
