O Sole Mio!

Freddie De Tommasos Album «Passione» zeigt das enorme vokale Potenzial dieses Tenors, erweist sich aber auch als der wenig geglückte Versuch, ein neues Hörerpublikum für die klassische Musik zu begeistern

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Wie oft bewährt sich die Kunst eines großen Sängers in Liedern, die schwerlich als «groß» zu bezeichnen sind – wie zum Beispiel in jenen Canzoni Napoletane, die, wie Adorno in seiner Musiksoziologie (1962) feststellte, «zwischen Kunstlied und Gassenhauer wunderlich die Mitte halten».  Die Frage, ob sie im Verlauf des 20. Jahrhunderts diesen Charakter behalten haben,  ist neu zu stellen mit Blick auf das Debütalbum von  Freddie De Tommaso.

Es trägt den Titel «Passione» und versteht sich als Hommage  an den vor 100 Jahren gestorbenen Enrico Caruso, die vor 100  Jahren geborenen Giuseppe Di Stefano, Mario Lanza sowie an Franco Corelli. Der anglo-italienische Tenor soll sich, wie es im Geleitwort zur CD heißt,  als «future Prince of Tenors» beweisen, somit auch als Erbe. «Was Du ererbt von Deinen Vätern», so Goethes goldene Regel, «erwirb es, um es zu besitzen».

Zur Orientierung ein Rückblick. Die Canzoni Napoletane, seit den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts für die Festa di Piedigrotta geschrieben, die Feier der Geburt der Madonna, wurden zunächst bei sogenannten Cafés chantants gesungen. Für die Verbreitung sorgten wandernde Musiker (posteggiatori),  die mit Zylinderklavieren ...

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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 54
von Jürgen Kesting

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