O Hoffnungslosigkeit, o Glück!

Meine Abende mit dem Regisseur Christof Loy: die Tschaikowsky-Hommage «Nur wer die Sehnsucht kennt» an der Oper Frankfurt und seine Lesart von Riccardo Zandonais «Francesca da Rimini» an der Deutschen Oper Berlin

Lieben Sie Tjutschew? Ich liebe ihn, seit ich denken kann, so wie ich auch die anderen russischen Dichter und Schriftsteller liebe, deren Nachnamen mit dem Buchstaben «T» anfangen. Tschechow, Turgenjew, Tolstoi d. Ä. (Lew Nikolajewitsch) und Tolstoi d. J. (Alexei Nikolajewitsch). Von ihnen hat bestimmt jeder schon mal etwas gelesen oder zumindest gehört. Aber Fjodor Iwanowitsch Tjutschew kennt außerhalb meiner Heimat, die ich vor vielen Jahren verlassen habe, kaum jemand; jedenfalls habe ich bislang noch niemanden getroffen, der mir das Gegenteil bewiesen hätte.

Und das ist ungerecht, weil es seiner Bedeutung nicht gerecht wird. Die Gedichte dieses Lyrikers, der immerhin mit Heine befreundet und mit Schelling bekannt war, sind einzigartig, weil ihre Poesie gänzlich von unruhiger Erwartung erfüllt ist und weil sie so kristallklar formuliert sind. Ein Beispiel? Gerne. «O warum heulst du, Wind der Nacht? / O warum musst du töricht klagen? ... / Was will, bald lärmend und bald sacht, / Uns deine fremde Stimme sagen? / Als Sprache, nur dem Herzen kund, / Lässt du nicht ab, vor Qual zu stöhnen, / Und wühlst und fährst aus ihrem Grund / Mit wilden, wunderlichen Tönen ...»

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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Olga Myschkina

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