So macht Leiden Spaß
Es war ein Freitag. Was sonst. Freitag, der 13. Das konnte kein gutes Zeichen sein. War es auch nicht. Am Freitag, dem 13. März 2020, blieben die Uhren stehen, eine neue Zeitrechnung begann. An diesem Tag hob sich in der Oper Dortmund der Vorhang zur Premiere von Daniel-François-Esprit Aubers «La muette de Portici». Doch im Saal herrschte weithin sichtbare Leere. Gerade einmal 25 ausgewählte Kritiker saßen im Dunkel und schauten sich Peter Konwitschnys Inszenierung an. Die anderen 1145 Menschen im Publikum fehlten. Wegen Corona.
Diejenigen, die dort waren, sagten hinterher, es sei eine überaus seltsame Erfahrung gewesen. So eine Art Geisterspiel mit Musik.
Mehr als ein Jahr später hat sich die Lage kaum gebessert. Im Gegenteil. Die Verwerfungen sind immenser geworden, bedrohlicher, existenzieller. Ein Virus beherrscht endgültig die Welt. Was sich geändert hat, ist der Umgang mit ihm. Zu Hause, auf der Straße, in Theatern und Opernhäusern. Manche sind, und das nicht zum ersten Mal, deswegen in eine Art Schockstarre verfallen, schlimmer noch: in tiefe Depression. Andere haben reagiert. Haben ihre kreativen Potenziale ausgeschöpft, teilweise bis zur Erschöpfung. Haben sich ...
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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Mein Sehnen, mein Wähnen: Corona Spezial, Seite 14
von Jürgen Otten
«Wie viel Musik braucht der Mensch?» Offenbar viel, und noch mehr Ideen und dramaturgische Eingebungen dazu, wie sie Hans Neuenfels gern in Texten verdichtete. Eine Auswahl davon hat er 2009 unter diesem investigativen Buchtitel versammelt – in einer Art berauschtem Selbstappell als «Beschwörungen, Ablagerungen freigelegter Empfindungsschichten, Auffangbecken der...
Kann man den Besuch einer Webseite wirklich mit einem realen Theater- oder Konzertbesuch aufrechnen? Was passiert eigentlich nach dem berühmten Klick so alles nebenher im Homeoffice? Und wie oft läuft eine virtuelle Vorstellung tatsächlich nur als mediales Hintergrundrauschen oder wird nach wenigen Minuten wieder abgebrochen? Eigentlich höchste Zeit, diesen Fragen...
«Die Blätter fallen, fallen wie von weit, als welkten in den Himmeln ferne Gärten.» So heißt es in Rilkes «Herbstgedicht». Der Mann, der sich auf dem Cover des Albums «The Path of Life» an einem überlebensgroßen, hinabfallenden Blatte festhält, als sei’s ein Fallschirm beim Sprung aus solchen Himmeln, ist der marokkanische Fotokünstler Achraf Baznani, der mit...
