O großer Berg!
Im Oktober 1904 unterzeichnete General Lothar von Trotha in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika einen Vernichtungsbefehl gegen das Volk der Herero. Er ließ sie in die Wüste treiben, wo viele verdursteten. Wer in die alte Heimat zurückkehrte, wurde von den kaiserlichen Truppen erschossen oder in Konzentrationslagern interniert. Mehr als 100 Jahre später leben im heutigen Namibia nur noch etwa 120 000 Herero. 2021 erkannte die deutsche Regierung den Völkermord an ihren Vorfahren offiziell an. Reparationen wurden bisher keine gezahlt.
Vor diesem Hintergrund ist die Europa-Premiere der ersten namibischen Oper «Chief Hijangua» im Haus des Rundfunks ein Ereignis von politischer Dimension. Davon zeugten zahlreiche anwesende Würdenträger: Unter den Zuschauenden befanden sich unter anderem Berlins Kultursenator und der Bürgermeister von Windhoek. Im Programmheft meldeten sich Claudia Roth, der Regierende Bürgermeister von Berlin und der namibische Parlamentspräsident zu Wort. Allesamt verliehen sie der Hoffnung Ausdruck, eine deutsch-namibische Oper möge zur Versöhnung der beiden Nationen beitragen.
Auch die Handlung, nach einem Libretto von Nikolaus Frei, inszeniert von Kim Mira Meyer und ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Anna Schors
Das hohe Lob stammt aus berufenem Munde: «Sie gehört zum Stamm der Pioniere, der Wegbereiter. Sie ist uns vorausgegangen, hat Bäume gefällt, Felsen gesprengt und Brücken gebaut, um den Weg freizumachen für die nach ihr Kommenden.» Es war Virginia Woolf, die diese Worte wählte, um eine der wohl erstaunlichsten Komponistinnen aller Zeiten zu beschreiben – Ethel...
Schon 1841 hat ein Zeitgenosse, der Theatermann Carlo Ritorni, Klage darüber geführt, dass sich alle italienischen Opern wie Zwillinge gleichen: «Wenn man eine gesehen hat, kennt man alle.» Saverio Mercadantes im Jahr danach in Neapel uraufgeführtes romantisches Melodramma «Il proscritto» («Der Geächtete») macht da keine Ausnahme. In Salvadore Cammaranos Libretto,...
Märchen oder nicht, das ist hier wohl kaum die Frage. Natürlich ist Leoš Janáčeks am 6. November 1924 im Nationaltheater Brünn (heute Brno) uraufgeführte Oper «Příhody lišky Bystroušky», die im Deutschen unter dem nicht eben elegant übersetzten Titel «Das schlaue Füchslein» auf die Bühnen gelangt, ein solches; ein Sommernachtstraum à la Shakespeare (nur mit...
