O großer Berg!
Im Oktober 1904 unterzeichnete General Lothar von Trotha in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika einen Vernichtungsbefehl gegen das Volk der Herero. Er ließ sie in die Wüste treiben, wo viele verdursteten. Wer in die alte Heimat zurückkehrte, wurde von den kaiserlichen Truppen erschossen oder in Konzentrationslagern interniert. Mehr als 100 Jahre später leben im heutigen Namibia nur noch etwa 120 000 Herero. 2021 erkannte die deutsche Regierung den Völkermord an ihren Vorfahren offiziell an. Reparationen wurden bisher keine gezahlt.
Vor diesem Hintergrund ist die Europa-Premiere der ersten namibischen Oper «Chief Hijangua» im Haus des Rundfunks ein Ereignis von politischer Dimension. Davon zeugten zahlreiche anwesende Würdenträger: Unter den Zuschauenden befanden sich unter anderem Berlins Kultursenator und der Bürgermeister von Windhoek. Im Programmheft meldeten sich Claudia Roth, der Regierende Bürgermeister von Berlin und der namibische Parlamentspräsident zu Wort. Allesamt verliehen sie der Hoffnung Ausdruck, eine deutsch-namibische Oper möge zur Versöhnung der beiden Nationen beitragen.
Auch die Handlung, nach einem Libretto von Nikolaus Frei, inszeniert von Kim Mira Meyer und ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Anna Schors
Was ist sie doch für ein elegantes Räderwerk, diese Olympia, ein Spielzeug, das selbst spielen will. Mit seinen langen Fangarmen greift es nach dem Künstler und schwingt ihn rund um die eigene Achse. Es beglückt ihn wie die Blumen, die Vögel, die Herzen, die aus den Brüsten und aus tiefer gelegenen Körperregionen schießen im zweiten Akt von «Les contes d’Hoffmann»...
Als Volkstheater war das heutige Staatstheater am Gärtnerplatz konzipiert, als es 1865 in München eröffnet wurde. Seitdem hat es wechselhafte Geschicke durchlaufen, aber als Faustregel galt immer: Dem Haus ging es umso besser, je stärker es sich schon im Repertoire von der größeren, finanziell bessergestellten Bayerischen Staatsoper in derselben Stadt absetzte. Je...
Das Ende ist der Anfang. Ein Herrscher zeigt, von Huldigungsklängen in strahlendem Dur begleitet, göttergleiche Milde und vergibt seinen Verschwörern, erst dem in sich zusammengesunkenen Sesto, dann der auch jetzt noch stolzen Vitellia. In Mozarts (vorgeblicher) Krönungsoper «La clemenza di Tito» ist es nach etlichen Irrungen, Wirrungen (und Falschmeldungen) die...
