Nur ein Lichtblick
Hat alles nichts gebracht: die echten Flüchtlinge auf der Bühne; die Kinder aus Afrika, die Armut beglaubigen sollten, obwohl sie aus einer intakten, gar nicht so armen Familie kamen; die Nutten, Nutten und abermals Nutten, die der alten, elitären Oper mehr street credibility verschaffen sollten. Völlig nutzlos! Von der Relevanz, die mit diesen «Einfällen» des Regietheaters behauptet worden war, blieb nichts übrig. Geschert hat sich in der Pandemie kein Politiker darum und kein Publikum. Die Theater blieben zu, der Protest dagegen blieb aus.
Er kam nur aus der Branche selbst, von niemandem sonst. Der zur Macht gelangte Midcult, der Politkitsch einer selbstgerechten Betriebs-Schickeria, hat all die Jahre nicht dafür gesorgt, dass die Opernhäuser als so lebenswichtig wie die Friseure eingestuft wurden.
Doch in all dem Streaming-Elend ein Lichtblick: Axel Ranischs Inszenierung von Ermanno Wolf-Ferraris «Il segreto di Susanna» an der Bayerischen Staatsoper München. Eigentlich eine Petitesse über das Laster des Rauchens, hinter dem ein eifersüchtiger Ehemann das der Untreue wittert. Mit dem Film, der als Parallelerzählung zur Bühnenhandlung zu einer Paartherapie-Sitzung ins häusliche ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 96
von Jan Brachmann («FAZ», Frankfurt am Main)
Sein Ruhm wird nur durch ein Stück begründet: «Samson et Dalila». Doch das 100. Todesjahr von Camille Saint-Saëns, der als Sechsundachtzigjähriger am 16. Dezember 1921 in Algier starb, hätte auch in deutschen Landen ein Jahr der musikalischen und szenischen Neuerprobung einiger seiner anderen, fast vergessenen Opern werden sollen und können: «Déjanire» (konzertant)...
Lange noch dürfte sie in Erinnerung bleiben, diese überlange Spielzeit der Einschränkungen und Absagen, des Ausweichens, Umplanens und der Entschleunigung. Hinter uns liegt eine Phase oft ungewohnter Seh- und Hörerfahrungen, der Entzugserscheinungen und Ersatzhandlungen, der immer wieder neuen Hoffnungen oder Vertröstungen. Und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht.
...Ja, manchmal bringt es mich schon um den Schlaf, wenn ich nachts über die Situation der Kunstform Oper nachdenke. Hat die Pandemie problematische Entwicklungen noch zugespitzt? Was hat die Saison 2020/21 gebracht? In Erinnerung bleibt das wilde Glücksgefühl, als nach erstem Lockdown der Vorhang tatsächlich hochging und Musiktheater wieder live zu erleben war....
