Nordlichter
Die altehrwürdigen Kulturhauptstädte Nordeuropas heißen Kopenhagen und Stockholm. Drottningholm ist das einzige im Original erhaltene Barocktheater der Welt, die 1448 erstmals erwähnte Königliche Kapelle Kopenhagens gar das älteste Orchester. Allerdings brauchte man für die Opernproduktion anfangs Immigranten. Und das gab Ärger. Dänemarks Operngeschichte begann 1789 gleich mit einem handfesten Skandal. Seit Doktor Struensee, der deutsche Leibarzt des unzurechnungsfähigen Königs Christians VII.
, die Regierungsgeschäfte geführt und dem Land eine Revolution von oben verordnet hatte, war man in Kopenhagen nicht sonderlich gut zu sprechen auf einflussreiche Fremde. Folglich musste Friedrich Ludwig Æmilius Kunzens Oper «Holger Danske» durchfallen, denn der Mann kam aus Lübeck; sein Librettist Jens Baggesen hatte einen «Oberon» des nicht unbedingt für stubenreine Texte bekannten Wieland benutzt und zu allem Übel mit der Geschichte des mythischen Nationalhelden Holger Danske verknüpft. Die Amoralität war somit erwiesen, die beiden Autoren suchten das Weite und bekamen ihr Werk nie mehr zu hören. Erst 1941 feierte die außergewöhnliche Schöpfung ihren Durchbruch in Kopenhagen, und zwar – ...
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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Volker Tarnow
Große Sehnsucht
Für ihn geht ein lebenslanger Traum in Erfüllung. Schon immer, hat der Aktionskünstler Hermann Nitsch neulich gesagt, habe ihn das Schaffen von Richard Wagner erheblich fasziniert, in seiner Verbindung aus Kult, Religion und Gesamtkunstwerk. Bei den Bayreuther Festspielen inszeniert der 82-Jährige nun den zweiten Teil der «Ring»-Tetralogie, die...
Wieder spielen zu dürfen, heißt noch lange nicht, in der Normalität angekommen zu sein. «Sitzen und Verweilen leider nicht möglich», steht auf dem Schild mit Piktogramm im Foyer des Theaters Basel, das nach Beschlusslage des Schweizer Bundesrats ab dem 19. April einen Blitzstart hinlegen durfte. Sieht grotesk aus und passt irgendwie zu dem, was sich drinnen auf der...
Unter allen digitalen Produktionen, die Theater und Opernhäuser notgedrungen seit einem Jahr erfinden, rangiert diese, zumindest in puncto Außergewöhnlichkeit, ziemlich weit oben. «Glaube, Liebe, Hoffnung» hat nichts mit Ödön von Horváths Schauspiel zu tun, ist weder mitgeschnittene Aufführung noch Film. Auch die Bezeichnung «virtuelle Ausstellung», wie die...
