Nixe aus Heringsdorf
Wer die Oper liebt, kennt auch die Geschichte vom Berg und dem Mäuslein. Es ist nämlich ein Maximum an Kraft und Können nötig, um das perfekte Nichts zu produzieren. Diese Erfahrung gehört zu den vielen Paradoxa des «unmöglichen Kunstwerks», die der Kritiker Oscar Bie 1913 in seiner legendären Analyse dieser Gattung nur vergessen hatte zu erwähnen.
Ende April war es wieder so weit: An der Deutschen Oper Berlin wuchsen überirdisch feine und zerbrechliche Klänge aus dem Graben, wie sie nie von Maschinen erzeugt werden können, nur von Menschen, und zwar sehr vielen.
Nur ein Riesenorchester kann solch ein fantastisch ergreifendes Crescendo aus dem Nichts heraufbeschwören, das sich langsam aufbaut, im Pianissimo aus der Stille aufsteigend. Geteilte Violinen, Harfen treten dazu, Vokalisen einer hohen Frauenstimme, Chorstimmen aus dem Off. Später, mit den Bläsern dabei, verdichtet sich das zu einer schimmernden, flutenden Fläche aus Mischfarben. Dem einen oder anderen Zeugen der Uraufführung im Zuschauerraum mögen sich bereits bei der Introduktion zu dieser neuen Oper «Oceane» von Detlev Glanert die Nackenhaare gesträubt haben – was sich zwei Stunden später, nach dollen Sturm- und ...
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Das Thema der diesjährigen Uraufführung an der English National Opera: der Urvater aller Serienmörder, «Jack the Ripper». So lautet der Titel des neuen London-Stücks von Iain Bell (nach «A Harlot’s Progress», siehe OW 12/2013). Gewiss, die Morde spielen eine Rolle, werden in den Erläuterungen eines Pathologen reflektiert. Doch als Figur taucht der Täter nicht auf....
«Reason in madness» nennt die Sopranistin Carolyn Sampson ihr neues Liedalbum. Das nimmt Bezug auf einen Aphorismus von Friedrich Nietzsche: «Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber auch immer etwas Vernunft im Wahnsinn.» Ausgehend von Shakespeares Ophelia greift Sampson hier musikalische Psychogramme des weiblichen Wahnsinns auf. Vertonungen oder...
Abendstimmung am Nilufer. Wellen kräuseln sich, ein Gazeschleier dient als Folie für die Abbildungen altägyptischer Gottheiten und Hieroglyphen, am Horizont klebt eine blutrote Orange. Für Aida sind es die Minuten der Wahrheit. Die äthiopische Königstochter muss sich entscheiden zwischen Liebestod und Sklaverei (wobei ihr Ersteres um einiges plausibler erscheint),...
