Nichts für die kleinen grauen Zellen
Mit der 1928 in Wien herausgebrachten «Herzogin von Chicago» lag Emmerich Kálmán im Trend. Die klassische europäische Operette war klapprig geworden, kein Wunder nach den vielen Champagnerexzessen. Der jüngere Vetter aus Amerika, das Musical, drohte sie über den Haufen zu rennen. Da kam eine Frischzellenkur wie dieser in Gesang und Tanz ausgetragene «Kulturkampf» Walzer & Csárdás gegen Charleston & Foxtrott gerade recht. Kálmán war ja stets Wanderer zwischen den Welten: Wien, Budapest, Broadway, Hollywood.
Schon 1927 hatte er mit Herbert Stothart zum Libretto Oscar Hammerstein des Zweiten das bizarre Musical Drama «Golden Dawn» geschrieben (1930 in Hollywood mit Vivienne Segal verfilmt); seine «Herzogin» folgte im Jahr danach.
Die Volksoper holte das lange Zeit beinahe vergessene Stück nun 76 Jahre nach der Uraufführung nach Wien – im Rahmen ihres Programmschwerpunkts «Wieder entdeckte Musik», nach Schrekers «Irrelohe» sowie den Revivals von Zemlinskys «Der König Kandaules» und Braunfels’ «Die Vögel». Seit der Bonynge-Einspielung von 1998 im Rahmen der Decca-Reihe «Entartete Musik» hatte das Werk auch an deutschen Theatern Boden gut gemacht, obwohl es zweifellos nicht zu Kálmáns ...
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