Carlos Kleibers Wiener «Carmen» auf DVD

Man kann leicht über Franco Zeffirellis Wiener «Carmen»-Inszenierung spotten, über den Aufwand – Kulissen, 500 Mitwirkende und acht Pferde –, der umgekehrt proportional zur inhaltlichen Leere der szenischen Deutung steht. Doch eines muss man Zeffirelli lassen: Als Filmregisseur der Live-Übertragung hat er den Dirigenten, weit über das übliche Maß hinaus, einbezogen: Die Übertragung war eine Verbeugung vor Kleibers Genie.

Was die Kamera einfängt, sind Blicke, die jeder Musikfreund genau so auf das Dirigentenpult richten würde: Wie gibt Kleiber die Einsätze? Wie steuert er die Dynamik? Wie reguliert er Übergänge? Eleganz und Geschmeidigkeit dieses Dirigats haben nicht ihresgleichen, was manche Unausgewogenheit der Besetzung wettmacht. Mehr über Kleiber, seine Probenbenarbeit und seine DVDs in einem Special in der nächsten «Opernwelt».

Bizet: Carmen.
Elena Obraztsova (Carmen), Plácido Domingo (Don José), Yuri Mazurok (Escamillo), Isobel Buchanan ­(Micaëla) u. a.
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper, Ballett der Wiener Staatsoper, Carlos Kleiber.
TDK (DVD); AD: 9. Dezember 1978 (live).

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Panischer Stillstand

Eine prominente Auszeichnung in Deutschlands Medienwelt hatte Berlin in den letzten Jahren sicher: Bei der jähr­lichen Kritikerumfrage der «Opernwelt» bekam die Hauptstadt der Republik regelmäßig den Titel «Ärgernis des Jahres», die rote Laterne der Branche, zugesprochen. Mit dem, was auf den Bühnen passierte, hatte das meist nur wenig zu tun, umso mehr jedoch mit...

Jahrhundert der Probeläufe

Das Spektrum ist groß. Immens groß. Es reicht von Loïe Fullers innovativem Tanz um 1900 bis zu dessen Vereinnahmung durch das Video, von Hindemiths Ein­aktern bis zu modernen Blinden- und Gerhörlosenstücken. Das experimentelle Musik- und Tanztheater des 20. Jahrhunderts auf knapp 400 Seiten zu einer Art Handbuch zu verknappen, ist so schwierig, wie den Kölner Dom...

«Verantwortung kennen hier die wenigsten»

Herr Kuˇsej, Sie sollten 2004 in Bayreuth «Parsifal» inszenieren und in­­szenieren nun «Carmen», von Nietzsche als Gegengift zu Wagner empfohlen. War das Ihr Wunsch?
Nein, ich habe nie Wünsche in der Oper. Ich lasse mich gern verführen von Dirigenten oder Intendanten, die glauben, dass ich das eine oder andere Stück mit ihnen machen soll. Ich hatte große Vorbehalte...