Nicht ohne meine Mutter

Reid: PRISM am Theater Freiburg

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Nur ein einziges Mal, etwa in der Mitte des Stücks, wird die Beziehung der beiden Frauen klar: «Mommy», singt da Bibi, worauf Lumee mit einem Wutausbruch reagiert, dass die Tochter es wagte, sie als Mutter anzusprechen. Es ist die Schlüsselszene in Ellen Reids Kammeroper «PRISM» auf ein Libretto von Roxie Perkins. Die amerikanische Komponistin aus Tennessee gewann damit 2019 den Pulitzer-Preis und ist seit ihrer Residenz 2023/24 am Concertgebouw in Amsterdam auch zunehmend in Europa erfolgreich.

Das Theater in Freiburg schnappte sich jetzt die Deutsche Erstaufführung und verhalf dem Autorinnenteam zu einem heftig applaudierten Erfolg.

Angekündigt war die Premiere als Beitrag zur #Me-Too-Debatte, aber das hatte die Erwartung inndie falsche Richtung gelenkt: den sexuellen Missbrauch. Doch er ist nur Auslöser für die rätselhafte Mutter-Tochter-Geschichte, nicht Anlass für eine feministische Anklage des männlichen Geschlechts (der Missbrauch findet auch nur schemenhaft in der Erinnerung statt). Bibi ist nicht Opfer eines männlichen Übergriffs, sondern eines mütterlichen Versagens. Der existenziellen Schuldfrage muss sich Lumee stellen, die ihre kleine Tochter in einem Nachtclub ...

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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Lotte Thaler

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