Nicht auf sich selbst hereinfallen

Eine Biografie und ein Gesprächsband über zwei große Dirigenten unserer Zeit: Mariss Jansons und Bernard Haitink

Wer nach einem merkantil verwertbaren «Mythos» sucht oder nach der Verbindung von Künstlertum und Glamour, geht bei diesen Dirigenten fehl. Weder Bernard Haitink noch Mariss Jansons hatten je etwas mit den Selbstinszenierungen eines Herbert von Karajan (dem Jansons 1970 assistierte) gemeinsam; und nichts liegt in ihrem Fall ferner als der Guru-Habitus eines Teodor Currentzis.

Auf Haitink wie Jansons trifft eher ein Satz Heimito von Doderers zu: «Erwachsen wird man, wenn man auf sich selbst nicht mehr hereinfällt …»

 

Den Niederländer und den Letten verband gegenseitige Achtung und Zuneigung, die keineswegs bloß damit zu tun hatten, dass sie Chefs des Concertgebouworkest waren – Haitink von 1961 bis 1988, Jansons als sein Nach-Nachfolger von 2004 bis 2015. Beide waren subtile Klangarchitekten, doch weder Haitink noch Jansons zwang den Orchestern je ein persönliches Brandzeichen auf; sie suchten die jeweiligen Klangkörper vielmehr in genuiner Empathie bestmöglichst zur Wirkung zu bringen. Natürlich gab es Unterschiede. Markus Thiel, Verfasser der Mariss-Jansons-Biografie (und langjähriger OW-Autor), erwähnt als Beispiel die zeitlich nahen Auftritte mit den Wiener Philharmonikern ...

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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 37
von Gerhard Persché