Napoleonische Propaganda

Cherubinis Tragédie lyrique «Les Abencérages» und das Jugendwerk «Lo sposo di tre e marito di nessuna»

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Ein Hörnerchor bereitet den Boden. Dann winden sich Solo-Celli traurig um einander. Aber nicht Agathe hebt, wie nach diesem Vorspiel zu erwarten, «leise, leise» ihren Nachtgesang an, vielmehr trauert die Mauren-Prinzessin Noraïme mit ebenso «frommer Weise» um Almanzor, der gleich aus nächtlicher Schlucht hochkraxeln wird. Dass Carl Maria von Weber Cherubini-Fan war, lässt sich zu Beginn des dritten Akts der 1813 uraufgeführten Tragédie lyrique «Les Abencérages» nicht überhören.

Später, wenn ein Gottesgericht samt Heerrufer, Fanfaren und ergriffen flüsterndem Volkschor die Unschuld des Helden erweisen soll und ein unbekannter Ritter mit herabgelassenem Visier den Kampf aufnimmt, fühlt man sich an «Lohengrin» oder dessen Vorläuferin «Eury­anthe» erinnert. Auch Rienzis Gebet lässt grüßen, und beim großen Chorfinale denkt man unwillkürlich an Beethovens Neunte Sinfonie. Die napoleonische Propaganda-Oper «Les Abencérages» verdankt solchen Vorgriffen, aber auch dem Rückgriff auf Gluck und Cherubinis Zeitgenossen (Spontini) ihren Ruf als Geheimtipp. Die Veröffent­lichung der Einstudierung, die Peter Maag 1976 beim RAI Mailand initiierte, wird daran nichts ändern.
Die Originalbänder wurden ...

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Opernwelt Juli 2006
Rubrik: CDs, Seite 57
von Boris Kehrmann

Vergriffen
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