Alles Banane

Freiburg, Levinas: Les Nègres

Opernwelt - Logo

Da war sie mal wieder, die Tristesse, die unserem guten, alten Stadttheater zu schaffen machen kann. Da müht sich die Freiburger Oper rechtschaffen mit einer deutschen Erstaufführung ab, zählt also auf die Neugier ihres Publikums. Und was geschieht? Bereits am zweiten Abend von Michaël Levinas‘ Genet-Vertonung «Les Nègres» bewegt sich der «Andrang» nur knapp diesseits der Demarkationslinie zum Blamablen. Das Vertrackte dabei: Der missionarische «Ihr ahnt ja nicht, was Ihr da verpasst»-Zeigefinger ist auch kaum am Platz. Freiburg hilft schwerlich einem dringenden Bedürfnis ab.

Die respektable Anstrengung hätte Vordringlicherem zugute kommen dürfen.
Levinas, Jahrgang 1949, in Frankreich viel beachteter Komponist, Pianist und Philosophensohn, folgt in seiner dritten Musiktheaterarbeit der Vorlage recht genau. Im Januar 2004 in Lyon uraufgeführt (OW 3/2004), greift sie Jean Genets schwer nacherzählbare «Clownerie» um Schein und Sein, dieses hasserfüllte Spiel-im-Spiel-Ritual Schwarzer für Weiße getreulich auf, in dem nicht sicher ist, ob ein Mord ein Mord und eine (unsichtbare) Leiche eine Leiche ist.
Ursprünglich sollte das einmal von Johann Kresnik hergerichtet werden – ein nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tief im Spießermief

Blauweiße Kacheln mit Herzchenmuster. Weißes Giebelfachwerk, Krüge schwenkende Bauern. Eine Wiederauflage von Heinz Schenks legendärem «Blauen Bock»? Beinahe! Stein Winge inszeniert an der Oper Frankfurt Bedrich Smetanas «Verkaufte Braut». Der norwegische Regisseur verpflanzt die tschechische Festoper par excellence in eine spießige Tümelei. Kostümbildner Jorge...

Münchner Barbiere

Eine Marktlücke füllt der neue «Barbier», den Sony in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk produziert hat, sicher nicht, denn es gibt von dieser populären Buffa mehr als genug erstklassige Aufnahmen. Das geschäftliche Kalkül zielte wohl auf die Besetzung der Rosina mit dem bulgarischen Weltstar Vesselina Kasarova, die in dieser Partie anderweitig noch nicht...

Alle Menschen werden Brüder. Oder auch nicht.

Dass Peter Sellars die Haare zu Berge stehen, ist nicht Ausdruck emotioneller Exaltiertheit, sondern gehört zu seinem Styling. Den Schrecken tragen bei seinen Inszenierungen eher jene davon, die missverständlich glauben, Werktreue heiße, ein Stück zu spielen «wie es im Büchel steht». Wobei sie im Grunde nicht die Herstellung der Urauffüh­rungs­be­dingungen fordern,...