Naiv im besten Sinne

Michaela Schuster singt Lieder von Brahms, Schumann, Reger und Strauss

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Vielseitigkeit oder Risikofreude sind auf dem gegenwärtigen Sängermarkt selten zu finden. Intendanten und Besetzungsbüros können sich immer weniger Experimente leisten. Das heißt: Wer gut ist in einer Rolle, wird immer wieder für diese Rolle engagiert. Für die Spielpläne mag das ein Sicherheitsfaktor sein, für die Stimmen bedeutet es eine Gefahr. Denn die menschliche Stimme besteht aus einem komplexen Muskelgeflecht, und Muskeln leben davon, dass sie vielseitig eingesetzt werden. Gleichförmigkeit führt zu Überbeanspruchung – und Verschleiß.



Was klingt wie eine allgemeine Einleitung, hat direkt mit der «CD des Monats» zu tun. Als Michaela Schuster um das Jahr 2000 herum im Stuttgarter «Ring» die Fricka sang und einem größeren Publikum bekannt wurde, da staunte man über das reiche, ungewöhnliche Timbre dieses Mezzosoprans, über seinen mühelosen Umfang und seine natürliche Ausdruckskraft. Es bestand kein Zweifel daran, dass diese Stimme für dramatischere Fächer prädestiniert war. So kam es auch. Michaela Schuster sang schon bald Kundry, Ortrud, Eboli, Klytämnestra und sogar die Amme in «Die Frau ohne Schatten», so ziemlich das Schwerste, was einem Komponisten für dramatischen Mezzo ...

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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: CD des Monats, Seite 45
von Stephan Mösch

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