Nahe am Wahnsinn
Das Publikum der Volksbühne strömt kräftig schon zur Einführung: Man hat vom Buh- und Bravo-Kampf der Premiere gehört und will mitreden können. Und diskutiert wird viel in der Pause und nach der Aufführung – die Meinungen schwanken zwischen Ablehnung und glühender Begeisterung. Ablehnung, weil die Ästhetik der Bühne den lieb gewordenen «Eugen Onegin»-Kitsch gar so grausam konterkariert. Begeisterung gibt es für die konzise Personenführung und ein großes Wagnis. Tschaikowsky schrieb den Onegin in zeitlicher Nähe zur 4. Symphonie.
Und in seinem Text zum Finale der Vierten gibt der Komponist ein Programm vor, das eben für diese Onegin-Deutung herhalten soll (und kann).
Regisseur Benedikt von Peter verpflanzt das Stück auf einen Jahrmarkt in real-sozialistischer Tristesse, wo Tatjana und Eugen die Outcasts sind und in ihrem Suchen nach dem romantischen Glück nur die Unmöglichkeit der Liebe erfahren. Ein Leitmotiv, das Thema: Wer immer auf der Bühne von Liebe träumt oder sich Illusionen hingibt, zieht eine Maske über, die an russische Matrjoschka-Puppen erinnert. Das Auf- und Ab dieses Maskentheaters könnte nerven – tut es aber nicht: Eine strikte Choreografie gibt dem Abend eine ...
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